Kontakt
Hotline: 0611 34104-0
Suchen
Schließen
Das Magazin für clubfreie Golfer:innen
Längst nicht mehr nur klassisch Weiß: Golfbälle
Längst nicht mehr nur klassisch Weiß: Golfbälle Bild: shutterstock.com/S-Wassana
28.01.2026 / Mixed

Golfbälle: Arten & Wahl

Der Golfball kann die Leistung auf dem Golfplatz maßgeblich beeinflussen. Doch welcher Ball soll es sein? Die Auswahl an Marken und Modellen ist erschlagend. Alle Nase lang kommen neue Ball-Varianten auf den Markt, die oft das Blaue vom Himmel versprechen. Aber worauf ist bei der Wahl des richtigen Balles wirklich zu achten? Wir bringen Licht ins Dunkle.

Autor:in: Johannes Podszun/Imke Ulrich
Lesedauer 8 MIN
drucken
weiterleiten
E-Mail
Facebook
X
Whatsapp

Golfball-Arten im Überblick

Moderne Golfbälle werden nach ihrer Konstruktion klassifiziert, wobei die Anzahl der Schichten, die Balloberfläche und die Beschaffenheit seines Kerns maßgeblich die Spieleigenschaften bestimmt. Die Unterschiede bestehen vor allem im Aufbau, dem verwendeten Material und den daraus resultierenden Eigenschaften. Im Wesentlichen sind das: die Distanz, die Härte, der Spin und die Haltbarkeit. Es gibt ein breites Spektrum an Bällen, die für unterschiedliche Spielniveaus, Schwunggeschwindigkeiten und persönliche Vorlieben entwickelt sind. 

Die unterschiedlichen Golfbälle im Querschnitt (Foto: Gemini)
Die unterschiedlichen Golfbälle im Querschnitt (Foto: Gemini)

v.l.n.r.: ein 2-Piece-, ein 3-Piece- und ein Multi-Layer mit fünf Schichten


Aufbau, Materialien und Kosten

Der Aufbau eines Golfballs besteht aus zwei bis mehreren Schichten, die jeweils unterschiedliche Funktionen für ein optimales Spiel erfüllen. Man unterscheidet Two-, Three- und Four- bzw. Multilayer-Golfbälle. Generell gilt: Je komplexer ein Ball aufgebaut ist, je mehr Schichten er also hat, desto kostspieliger ist er. Während ein günstiges Two-Piece-Modell bei etwa einem Euro pro Stück startet, kostet ein einziger Premiumbälle gern um die 6,50 Euro. Da will gut überlegt sein, welcher Ball der sinnvollste und geeignetste für das eigene Spiel ist.
 
Two-Piece-Golfbälle
Die einfachsten und preiswertesten Golfbälle bestehen aus zwei Schichten: einem Kern und einer Außenschicht. Das Cover, also die äußere Schicht ist meist aus Surlyn, einem kostengünstigen Kunststoff, gefertigt. In der Regel werden diese Ballarten auch als Distanz-Bälle bezeichnet und positioniert. Sie fühlen sich hart an, produzieren wenig Spin und sind im kurzen Spiel daher schwerer zu kontrollieren. Ferner erzielen Two-Piece-Bälle in der Regel guten Weiten und gelten als sehr widerstandsfähig. Geeignet sind diese Bälle in erster Linie für Spielerinnen und Spieler mit einem hohen bis mittleren Handicap, deren Spiel nicht sonderlich konstant ist und die einen recht hohen Ballverlust haben.

Three-Piece-Golfbälle
Diese Bälle bestehen aus drei Schichten und sind eher im mittleren bis hochpreisigen Segment angesiedelt. Sowohl das verwendete Material für den Kern als auch das für die ihn umgebenden Schichten kann variieren. Manche Bälle haben einen größeren, weicheren Kern und eine harte Außenschicht aus Surlyn. Andere Modelle – wie zum Beispiel der unter Profispielerinnen und -spielern weit verbreitere Pro V1 von Titleist – sind mit einer weichen Kunststoffschicht aus Urethan versehen. In Abhängigkeit der verwendeten Materialien und ihrer Merkmale können die Eigenschaften dieser Bälle recht unterschiedlich ausfallen. Generell gilt aber, dass sich Three-Piece-Bälle im Vergleich zu der einfachen Two-Piece-Variante weicher anfühlen, mehr Spin annehmen und besser zu kontrollieren sind. Darüber hinaus erzielen sie höhere Weiten, sind aber nicht ganz so robust. Interessant sind diese Golfbälle für Golferinnen und Golfer aller Spielstärken, insbesondere, weil sie mehr Gefühl und eine bessere Kontrolle im kurzen Spiel bieten. Doch aufgrund der vereinzelt recht hohen Preise sind diese Bälle am besten für Golfende geeignet, die über ein konstanteres Spiel verfügen und nicht mehr so viele Bälle verlieren.
 
Multi-Layer-Golfbälle
Die hochwertigsten, komplexesten und teuersten Golfbälle sind die so genannten Multi-Layer. Sie bestehen aus vier oder mehr Schichten. Bei diesen Modellen handelt es sich in der Regel um so genannte „Tour-Bälle“, die für eine maximale Leistung entwickelt wurden. Meist verfügen sie über ein weiches Cover aus Urethan, sind tendenziell weicher, erzeugen viel Spin, bieten eine maximale Kontrolle im kurzen Spiel und erzielen sehr gute Distanzen. Insofern sind sie in der Regel für ambitionierte Spielerinnen und Spieler mit einem niedrigen Handicap die erste Wahl. Natürlich können auch Golfende mit einem hohen oder mittleren Handicap ihre Freude an diesen hochwertigen Bällen haben. Zu bedenken ist jedoch, dass die Bälle meist für hohe Schwunggeschwindigkeiten ausgelegt sind und ein paar Euro kosten – wer häufig Bälle verschlägt, muss recht tief in die Tasche greifen.
 

Oberfläche und Dimples

Die charakteristischen Einkerbungen auf der Oberfläche eines Golfballs werden als Dimples bezeichnet und spielen eine entscheidende Rolle für die Aerodynamik. Moderne Golfbälle verfügen über 300 bis 450 Dimples, deren Anzahl und Größe von Hersteller zu Hersteller variiert. Die Dimples beeinflussen den Luftstrom um den Ball herum, reduzieren den Widerstand und sorgen für einen stabileren Ballflug mit größerer Distanz. Unterschiedliche Formen, Größen und Anordnungen der Einkerbungen werden von den Herstellern kontinuierlich weiterentwickelt, um die Flugeigenschaften zu optimieren.
 

Gewicht, Regeln und Zahlen

Nach den offiziellen Golfregeln muss ein Golfball einen Mindestdurchmesser von 42,67 Millimetern aufweisen und darf ein Gewicht von maximal 45,93 Gramm nicht überschreiten. Diese Regel stellt sicher, dass alle im Turnierspiel verwendeten Bälle vergleichbare physikalische Eigenschaften besitzen. Der Ball muss außerdem symmetrisch konstruiert sein, damit seine Eigenschaften unabhängig von der Ausrichtung gleichbleibend sind. Diese standardisierten Vorgaben garantieren faire Wettkampfbedingungen für alle Golfspielenden weltweit. Die Zahl auf einem Golfball dient primär der Identifizierung und kann helfen, die Bälle von denen der Mitspielenden zu unterscheiden. Eine einstellige Zahl (1–4) ist die häufigste Variante, es gibt aber auch Golfbälle mit höheren Zahlen, so genannten „High Numbers“ oder „Special Numbers“.
 

Unterschiede nach Spieltyp

Die Antwort auf die Frage, welcher der passende Golfball für welches Handicap ist, hängt maßgeblich vom Spielerniveau, der Schwunggeschwindigkeit und dem individuellen Spielstil ab. Bälle, die aus bestimmten Materialien bestehen und entsprechende Eigenschaften vorweisen, können einzelne Spielertypen unterstützen. Anfängerinnen und Anfänger zum Beispiel profitieren in der Regel von fehlerverzeihenden Bällen, die wenig Spin annehmen und für einen möglichst graden Ballflug konzipiert sind. Das Spiel von fortgeschrittenen Golferinnen und Golfern hingegen wird eher von Bällen mit einer weicheren Schale unterstützt, die mehr Spin produziert und präzisere Schläge ermöglicht.
 

Welche Golfbälle für Anfängerinnen und Anfänger?

Wer ein hohes Handicap hat, ist meist mit einem Two-Piece-Golfball oder einem kostengünstigen Three-Piece-Golfball gut beraten. Diese Golfbälle zeichnen sich in der Regel durch ihre einfache Konstruktion und fehlerverzeihende Eigenschaften aus. Zudem bieten sie gute Flugeigenschaften, sind im langen wie im kurzen Spiel leicht zu spielen und sehr robust. Golfbälle mit einem weichen Kern und niedriger Kompression eignen sich besonders für Golfende mit einer geringeren Schwunggeschwindigkeit, da sie mehr Distanz ermöglichen.
 

Mittleres und niedriges Handicap

Für Spielerinnen und Spieler mit einem mittleren Handicap ist ein Golfball mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Distanz und Spin geeignet, der eine kontrollierte Leistung für das kurze und das lange Spiel bietet. Hierfür eignen sich insbesondere hochwertigere Three-Piece-Bälle mit einer weicheren Urethan-Schale, die bessere Kontrolle beim Annäherungsspiel ermöglichen. Für ambitionierte Golferinnen und Golfer mit einem niedrigen Handicap eignen sich entweder hochwertige Three-Piece-Bälle oder die so genannten Multi-Layer-Bälle. Dabei handelt es sich um Premium-Golfbälle mit mehreren Schichten und einem weichen Cover, die maximalen Spin, maximale Distanz und präzise Kontrolle bei hoher Schwunggeschwindigkeit liefern.
 

Worauf zu achten ist

Bei der Auswahl des richtigen Golfballs spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

Schwunggeschwindigkeit
Spielerinnen und Spieler mit einer hohen Geschwindigkeit (über 105 mph) sollten tendenziell zu Bällen mit einem härteren Kern greifen, während Golferinnen und Golfer mit einer niedrigeren Geschwindigkeit (unter 95 mph) von einem weicheren Kern profitieren. Das heißt: Im besten Fall passt die Kompression des Balls zur eigenen Spielstärke, so dass eine optimale Energieübertragung und maximale Distanz gewährleistet ist.
 
Fehlerverzeihung
Ein weiteres Kriterium ist die Fehlerverzeihung: Anfängerinnen und Anfänger können enorm von fehlerverzeihenden Golfbällen, die wenig Spin annehmen und für einen möglichst geraden Ballflug entwickelt sind, profitieren. Dadurch können starke Abweichungen, die durch Fehlschläge wie der Slice oder Hook verursacht werden, reduziert werden.
 
Spielstil
Aber auch der individuelle Spielstil ist bei der Wahl des passenden Balles nicht zu vernachlässigen. Wer zum Beispiel besondere Stärken im kurzen Spiel hat, sollte sich eher für einen hochwertigeren Ball mit einer weichen Urethan-Schale entscheiden, der viel Spin erzeugt, eine gute Rückmeldung gibt und sehr präzise Annäherungen ermöglicht.
 
Preis
Denn der Kauf von Golfbällen kann ins Geld gehen, insbesondere, wenn man oft spielt oder häufig Bälle verliert. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob man mit Bällen für 1,- Euro oder für 6,69 Euro das Stück spielt, insbesondere, wenn man eine gesamte Saison betrachtet. Als kostengünstige Alternative zum Kauf von neuen Bällen bietet sich der Kauf von gebrauchten Bällen an: den so genannten Lakeballs. Diese aus Wasserhindernissen geborgenen Bälle werden unter anderen auch in hohen Qualitätsstufen angeboten und bieten gegenüber neuen Bällen kaum spürbare Leistungseinbußen. Insofern sind diese Bälle nicht nur für Anfängerinnen und Anfänger eine wirtschaftlich attraktive Alternative. Sie kosten lediglich einen Bruchteil des Neupreises und bieten trotzdem eine einwandfreie Qualität.
 
Gefühl
Nicht zu unterschätzen sind die persönlichen Vorlieben und psychischen Faktoren. Denn abseits von objektiven Material-Unterschieden und messbaren physikalischen Merkmalen sollte dir der Ball schlichtweg gefallen: Er sollte dir ein gutes Gefühl geben und du solltest Vertrauen zu ihm und seinen Eigenschaften haben - ganz gleich ob beim Putten, beim Annähern oder beim Driven.

Erlaubt ist, was gefällt (Foto: VcG)
Erlaubt ist, was gefällt (Foto: VcG)



Design
Sicherlich spielt auch das Design des Balls eine Rolle. Es sollte dich ansprechen und dir ein gutes Gefühl geben. Die Auswahl ist enorm: Es gibt die unterschiedlichsten Motive und Farben - erlaubt ist, was gefällt, auch eine Bedruckung mit individuellen Motiven. Der weiße Golfball ist natürlich der Klassiker. Im Herbst und Winter empfehlen sich farbige, zum Beispiel gelbe, Bälle für eine bessere Sichtbarkeit auf dem Platz.
 
Haltbarkeit
Die Haltbarkeit eines Golfballs kann für manche Spielerinnen und Spieler ebenfalls ein Kriterium sein. Dabei gilt, dass einfache Two-Piece-Bälle meist eine härtere und langlebigere Schale haben als Bälle mit einem weichen Urethan-Cover. Grundsätzlich haben Golfbälle kein Verfallsdatum, aber ihre Leistung kann sich mit der Zeit verschlechtern. Die Haltbarkeit wird hauptsächlich durch Gebrauch und Umwelteinflüsse, wie Hitze und UV-Strahlung, begrenzt und kann so 10 bis 30 Jahre betragen.
 

Tipp: So findest du den richtigen Ball

Um herauszufinden, welcher Ball am besten zu dir und deinem Spiel passt, empfiehlt es sich, drei bis vier in Frage kommende Marken bzw. Modelle auszuwählen und ausgiebig zu testen. Entscheide dich dann für den Ball, der dir das beste Gefühl gibt und bleibe dabei. Ein Ball, dessen Eigenschaften und Verhalten du kennst, schafft nicht nur Vertrauen und gibt dir Sicherheit, sondern sorgt für mehr Konstanz in deinem Spiel.
 
 
drucken
weiterleiten
E-Mail
Facebook
X
Whatsapp

Auch interessant

Grübchen - auch auf Bällen beliebt!
29.09.2021 / Mixed

Dimples: Flügel der Bälle

Einst durch Zufall als hilfreich für den besonderen Dreh entdeckt, sind die Dellen in der Golfballoberfläche heute nicht mehr wegzudenken.
Verrückte Bälle machen Laune
14.03.2019 / Blog

Ballaballa

Golf ist ein Sport der schlechten Schläge, lese ich im Internet: Selbst der beste Golfer der Welt, und das finde ich ungemein beruhigend, treffe das Fairway vom Abschlag aus nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent. Das heißt im Umkehrschluss: Viele Golfbälle verschwinden auf der Runde auf Nimmerwiedersehen – im Rough, Wasserhindernis oder Weltall. Aber manchmal ist das auch gut so …
Ballfertig: Bastian Ziegelmeyer
26.02.2020 / Interview

Lord of Lakeballs

Bei Bastian Ziegelmeyer läuft es rund: Der sympathische Wiesbadener ist Spezialist für Golfbälle, die, aus Wasserhindernissen geborgen, wieder in Umlauf gebracht werden – die Lakeballs.