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Hole 5
Hole 5 Bild: Ute Kreft
20.02.2026 / Reisen

Golf im Atlantik

Ein extrem windiger 18-Löcher-Platz auf einer extrem trockenen Insel vor der Küste Westafrikas? Das klingt exotisch – ich mache mich auf den Weg …
 

Autor:in: Ute Kreft
Lesedauer 6 MIN
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Ich spiele gerne Golf, auch an fremden Orten auf der Erde. Auf der Suche nach einem Urlaubsziel stoße ich auf SAL, eine kapverdische Insel vor der Küste Westafrikas! Sie ist einer der zehn trockensten Orte der Erde, im Prinzip eine sandige wüstenähnliche Insel, gelegen nur 16 Breitengrade nördlich vom Äquator mit schönen, breiten Stränden und einem relativ warmen Meer. Eine Insel mitten im Atlantik, aber ohne eigenes Wasser, nur zwei Kilometer breit und 18 Kilometer lang, bis vor circa 350 Jahren absolut unbewohnt und grob sechs Flugstunden von Deutschland entfernt. Dass es hier einen Golfplatz gibt, ist kaum vorstellbar.
 

Schlagabtausch statt Sklavenhandel

Historisch war SAL ein optimaler Ort als Umschlagsplatz für den Sklavenhandel zwischen Afrika und Amerika, danach ein Ort der Salz-Gewinnung, bis dieses woanders mit chemischem Prozess billiger hergestellt werden konnte. Heute ist die Insel ein kleiner eigenständiger Staat, der nun hautsächlich als wirtschaftliche Quelle den Tourismus betreibt. Im Süden entwickelte sich aus einem Fischerdorf ein Tourismus-Bereich mit satellitenartig um den Ort herum angelegten, größeren Hotel-Arealen. Einer der großen deutschen Reiseanbieter fliegt mehrere Male pro Woche dorthin und betreibt auch eigene Hotels. Ich buche allerdings Linienflug und Hotel separat und entdecke dann, dass direkt neben „meinem“ Hotel vor zwei Jahren ein 9-Löcher-Platz entstand, der erst kürzlich auf einen 18-Löcher-Platz erweitert wurde. Mein Interesse ist geweckt! 
 

Platz der Extreme

Begeistert versuche ich vor Abreise etwas über die Golf-Möglichkeiten und -Bedingungen herauszubekommen – aber das erweist sich als relativ schwierig. Der Golfplatz auf Sal ist Teil des Viveiro Golf & Country Clubs und hat zwar eine Webseite, aber die Fakten, die Greenfee-Spielende am meisten interessieren, sind dort nicht genannt: Der Platz ist der einzige Golfplatz im Umkreis von 1000 Kilometern (der nächste Golfplatz ist in Dakar) und liegt auf einer Insel, die kein eigenes Wasser hat. Alles Wasser muss importiert bzw. mittels Meerwasser-Entsalzung gewonnen werden. Nachhaltigkeit ist dem Viveiro Golf & Country Club besonders wichtig: Zur Anlage gehört eine biologische Forschungsstätte für die Erforschung von widerstandsfähigen wasserarmen (Golf-)Grassorten (Paspalumgras), in der auch die Pflanzen für den Golfplatz gezüchtet werden. Seine Grüns und Fairways werden mit 70 Prozent Meerwasser bewässert, dadurch wird der Wasserverbrauch reduziert. Das Gras beschränkt sich auf diese Spielbereiche.
 

Schlägersets vor Ort

Wenn die eigene Golf-Ausrüstung nur unter sehr hohen Kosten im Flugzeug mitgeführt werden kann, lohnt sich eher die Ausleihe vor Ort, die zudem ein Erlebnis mit neuen guten Schlägern bedeuten kann. Auch auf SAL kann man ein Schlägerset mit Bag leihen: Es gibt 20 bis 30 komplette Schläger-Sets mit Bag zur Auswahl. Dies sind relativ neue und gute Schläger-Sets aller renommierten Hersteller/Marken. Je nach Marken-Qualität beträgt die Leih-Gebühr fürs Set 30 bis 40,- Euro (bei 18-Löcher) oder 20 bis 30,- Euro (bei 9-Löcher) – ich kann aber als Wiederholungs-Täterin für mehrere aufeinander folgende Spieltage beim Preis für die Folgetage handeln. Meine TaylorMade-Leih-Schläger überraschen mich sehr positiv, so dass ich sogar persönlich privat erwäge, nun Schläger bzw. Driver zu wechseln.
 
(Alle Bilder: Ute Kreft)
 

Die Spielsituation …

… ist außergewöhnlich (Wärme, tagsüber ganzjährig 26 Grad warm, nachts nie kälter als 20 Grad, Trockenheit, und vor allem Wind), aber empfehlenswert, PAR 72 (35+37), die Spielgebühr für den 2800 Meter langen 9-Löcher-Platz beträgt 85,- Euro und für 18 Löcher 120,- Euro. Der Platz ist relativ flach, aber flächenmäßig sehr großzügig ausgelegt und zwischen den Green und dem nächsten Abschlag sind öfters weite Wege zu laufen. Es stehen Elektro-Buggys/eCarts zum Ausleihen bereit. Die Ausleihe kostete für 9 Löcher 30,- Euro und für 18 Löcher 60,- Euro. Allerdings es gibt auch Zieh-Trolleys zu leihen (5 bzw. 7,- Euro) – es ist also der persönlichen Fitness überlassen, ob man läuft oder fährt. Ich empfinde das Buggy fahren an beiden Tagen entspannter (man hat ja Urlaub!).
 

Das Spiel-Erlebnis …

… ist auf jeden Fall ein besonderes: An beiden Tagen sonnig und identisch warm, also eine hohe UV-Intensität (was bei der Insel nicht unterschätzt werden sollte). Im Internet findet man keine Scorekarten- und auch nirgends eine Platzübersicht. Weil er relativ neu ist, ist der 18-Löcher-Platz auch nicht als Satellitenbild auf Google-Maps vertreten, aber immerhin gibt es an jedem Abschlag eine Übersicht der Spielbahn. Die Tee-Box (Abschläge) bestehen aus Gras-Vierecken mit stark grobsandigen Unterboden, für die man spezielle Holz-Tees erhält. Die Herren- und Damen-Abschläge sind wie üblich separat und Abschläge generell etwas erhöht angelegt, weil man von ihnen erst einmal über ein Wasteland-Gebiet bis zum Fairway-Anfang schlagen muss.
 

Der erste Spieltag

Ich habe mich zunächst für neun Löcher entschieden, um den Platz generell erst einmal zu probieren. Vor dem Spiel spiele ich mich noch circa 30 Minuten auf der großzügigen 300 Meter langen Driving Range mit den neuen ungewohnten Leihschläger ein. Es gibt auch ein gutes und großes Übungs-Putting-Green. Den ersten Spieltag beende ich so euphorisch, dass ich sofort die Abschlagszeit für den Folgetag buche - Teetime vormittags 11 Uhr für die zweiten 9 Löcher (Loch 10-18). Ich wusste nicht, wie viel Glück ich an diesem ersten Tag mit „windarm“ gehabt hatte ...
 

Der zweite Spieltag

Ich sage nur WINDIG. Auf einer Insel, auf der jedes Jahr die Kite-Surf-Weltmeisterschaften stattfinden und die im Wesentlichen flach ist wie eine Flunder, muss man mit viel Wind rechnen (i.d.R. aus Westen). Der Wind war manchmal so stark, dass der Ball am Abschlag vom Tee geweht wurde und mir sehr oft die Kappe vom Kopf flog. Aber unter extremen Wind-Verhältnissen ist die Zielgenauigkeit der Schläge schlechter, so dass man oft neben dem „begrünten“ Fairway im „Rough“-Wasteland auf dem harten, sandigen Untergrund landet und von der mitgegeben kleinen Kunstrasen-Golf-Matte abschlagen muss. Diese ist leider wenig stabil und mindert die persönliche Schlagfreude; also die Devise für jede:n Golf-Spieler:in auf dieser Anlage muss lauten: treffe das Fairway und spiele strategisch überlegt von Grün-Spot zu Grün-Spot bis hin zum Green.
 

Auch für Nichtgolfer:innen interessant

Das Begleit-Programm für den nichtgolfenden Partner: neben den üblichen Angeboten wie SPA, Segel- oder Katamaran- oder Insel-Tour sei hier speziell auf die Möglichkeit hingewiesen, in einem natürlichen Salzsee wie im Toten Meer zu baden (Sole, gute Wirkung bei Hautproblemen). Schön ist auch die Lagunen-Tour, bei der man circa 100 Meter in der Lagune ins Meer geht und dann die Baby-Haie um einen herumschwimmen. Und auch der kleine Botanische Garten (mit diversen Kleintieren und Pflanzen) direkt neben dem Golfplatz, der auch vom Platzbetreiber aufgebaut wurde und als Pflanzen-Forschungs-Projekt betrieben wird, ist einen Besuch wert.


Fazit

SAL ist exotisch und tatsächlich eine attraktive (Golf-)Destination. Die Fairways sind sehr schön und gepflegt und gut zu spielen. Manchmal sind sie aber nicht durchgängig bis zum Green, sondern mit Trocken-Gräben oder Wasteland-Gebieten unterbrochen. Landet der Ball nicht auf dem Fairway bzw. auf dem Rasen, kann der Ball schon mal weit auf dem harten Untergrund laufen bzw. auch springen, wohin er nicht soll. Allerdings sind fast nie Hindernisse wie Bäume/Palmen oder Sträucher im Spiel, egal wo der Ball liegt. Die Greens sind ausgesprochen gut, relativ schnell, flach und mit guter Laufspur und wenig onduliert. Auch die Vorgrüns und die Grün-Umgebung entspricht immer wirklich der Namensgebung. Sie sind gut begrünt und mit Palmen umgeben. Hier wird auch regelmäßig tagsüber bewässert.Wenn man sein Golf-Spiel unter extremen Wetterbedingungen und Windstärken einmal ausprobieren und trainieren möchte, gibt es keinen besseren Ort! Es ist eine Herausforderung, bringt aber Spaß – und ist die Reise wert.
 
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