Das Magazin für clubfreie Golfer:innen

Nimmt im Hintergrund Einfluss auf den Golfmarkt: Felix Lechner
Bild: PGA of Germany
13.03.2026 / Interview
Der Gatekeeper zur Golf-Elite von morgen
Er agiert mit Charisma und Kompetenz: Felix Lechner, Vorstand der Professional Golf AG, der wirtschaftlichen Tochter der PGA of Germany, und, zusammen mit Peter Zäh von Langer Sport Marketing, Geschäftsführer der Pro Golf Tour, ist als Brückenbauer zwischen Amateursport und Profi-Liga ein gefragter Mann.
Autor:in: Imke Ulrich
Wieso, weshalb, warum, das hat uns der 46-jährige Münchner verraten – und dabei auch die Bedeutung der Pro Golf Tour für den Nachwuchsprofigolfsport in Deutschland in den Fokus gestellt.
Es ist in der Tat eine sehr stressige, aber auch erfüllende Aufgabe, die ich vor drei Jahren von meinem ehemaligen Vorstandskollegen Rainer Goldrian übernommen habe und nun mit großer Leidenschaft wahrnehme. Er hat mir alle notwendigen Tipps und Tricks beigebracht, um einen guten Start zu haben. Oft muss alles sehr schnell gehen und es kostet viele Nerven: Klappt es mit dem Tausch? Ist der angedachte Spieler auch zeitlich verfügbar? Werden die vielen Fristen eingehalten? Ich muss immer den Überblick behalten und bin während der Turniersaison rund um die Uhr auf Abruf, zum Leidwesen der Familie auch am Wochenende und spät abends. Es macht mir großen Spaß, im Background Einfluss auf den Golfmarkt zu nehmen. Ich habe mittlerweile ein großes Netzwerk aufgebaut. Wenn einer der Spieler es aufgrund des Tauschspots schafft, aufzusteigen, zaubert mir das ein Grinsen ins Gesicht und gibt mir neue Energie!
Felix Lechner, Jahrgang 1979 wohnt in München, Diplom-Sportökonom, ist seit 10/24 Geschäftsführer Pro Golf Tour/EPDT Golf Tours GmbH und seit 10/21 Vorstand der Professional Golf AG, davor 2005-2009 Marketingmanager, 2009-2021 Leiter Marketing/Prokurist.
Herr Lechner, die Pro Golf Tour gilt als Sprungbrett für junge Amateure. Warum?
Nun, sie ist ein elementarer Unterbau für den Leistungssport und für junge Golfprofessionals und Top-Amateure, die Playing Professional werden wollen, eine ideale Vorbereitung auf die großen Touren: Als offizielle Satellite Tour der DP World Tour ermöglicht sie es seit 1997, in Mittel- und Osteuropa kompetitiv Golf zu spielen. Die Spieler sammeln Punkte für das Official World Golf Ranking und lernen, auf internationalem Niveau mit dem hohen Druck sowie auch mit der Organisation des Spiels über mehrere Runden klarzukommen, eben nicht nur Amateurgolf zu spielen. Martin Kaymer, Nicolai von Dellingshausen, Freddy Schott und viele weitere Spieler haben es durch die Pro Golf Tour nach oben geschafft.„Die Pro Golf Tour ist eine Durchgangsstation“
Nach oben – was bedeutet dies?
Nun, in die zweite Riege des europäischen Profigolfsports. Die fünf besten Spieler der Saisonwertung der Pro Golf Tour erhalten eine Spielberechtigung für die nächste Saison der HotelPlanner Tour. Diese, bis 2024 als Challenge Tour bekannt, ist die zweite Liga der DP World Tour. Ihre Preisgelder sind deutlich höher, die Profis können dann bei erfolgreichem Spiel auch ihren Lebensunterhalt und nicht nur die Reise- und Trainerkosten bestreiten. Bei der Pro Golf Tour liegt das Startgeld pro Turnier bei 300,- Euro, das Preisgeld zwischen 5.000,- und 6.000,- Euro für den Sieger, also leben kann man davon oft noch nicht. Auf der HotelPlanner Tour liegt das Preisgeld dann schon bei 300.000,- Euro, der Sieger erhält mindestens 48.000,- Euro und noch ein Level höher erreichen wir mit Siegprämien von mehreren Millionen Euro den Golf-Olymp: Auf der DP World Tour liegt das Preisgeld für die Hero Dubai Desert Classic bei 9 Millionen US Dollar, der Sieger erhält etwa 1,5 Millionen US Dollar, auf der PGA Tour sind es teilweise sogar 25 Millionen US Dollar Preisgeld und etwa 4,5 Millionen US Dollar für den Sieger. Das Geld wird also auf den großen Touren verdient. Die Pro Golf Tour ist eine wichtige Durchgangsstation!Dieses Jahr werden nun erstmals drei Termine der Pro Golf Tour in Deutschland stattfinden: die VcG Bodensee Open, die VcG Köln Open und die VcG Neuhof Open, kurz der „German Swing“. Würden Sie das als wichtigen Meilenstein bezeichnen?
Unbedingt! Diese hochdotierten Turniere sind ein großer Benefit für alle Spieler in Deutschland, die vielleicht noch nicht wissen, ob sie Amateur bleiben oder aber Golf-Profi werden wollen – und auch für ehemalige Spieler der DP World Tour, die am Ball bleiben wollen. Die deutschen Nachwuchsspieler können nun „vor der Haustür“ auf exzellenten Plätzen testen, ob sie das Zeug zum Profi haben, ohne hohe Reisekosten, dafür mit der Chance, sich bei ihren lokalen Sponsoren zu vermarkten. Die PGA hat die Pro Golf Tour 2006 gekauft und betreibt diese seit Beginn zusammen mit der Langer Sport Marketing GmbH, nicht als Geschäftsmodell, sondern aus Leidenschaft: Wir möchten unseren Mitgliedern, den Nachwuchsprofessionals, die beste Förderung geben – der „German Swing“ ist diesbezüglich ein weiterer Meilenstein.Verfolgen Sie eine konkrete Zielsetzung?
Unser Ziel ist es, zwei, drei junge, aufstrebende deutsche Spieler pro Jahr für die großen Touren auf den Markt zu bringen und damit für den Fortbestand des deutschen Profigolfnachwuchses zu sorgen. Durch mehr Spielmöglichkeiten kriegen wir mehr Spieler auf die großen Touren, wir fördern also den deutschen Profigolfnachwuchs auf mehreren Ebenen. Mit der German Challenge powered by VcG, und übrigens auch dem Amundi German Masters powered by VcG für die Damen, haben sich in den vergangenen Jahren bereits zwei hochkarätige Profi-Events in Deutschland und ein richtig starkes deutsches Spielerfeld etabliert. Das bauen wir mit dem „German Swing“ und der „Ladies German Challenge“ in diesem Jahr weiter aus.„Golf braucht mehr Emotionen!“
Geht es „nur“ um die Nachwuchsförderung oder auch um mehr?
Ja, da schwingt noch mehr mit. Golf in Deutschland fehlt ein wenig das Sport-Gen. Wenn wir möchten, dass Golf stärker als echter Sport wahrgenommen wird, geht das nur über die Präsenz – und den Wettkampf. Kompetitives Golf weckt Emotionen und hat dadurch die Chance, Menschen zu begeistern, dadurch mehr gute Amateure zu erhalten und perspektivisch mehr deutsche Spieler auf den großen Touren zu haben.
Mit dem Ziel, den deutschen Nachwuchsprofigolfsport zu stärken, finden 2026 sechs international besetzte Profiturniere in Deutschland statt. Die VcG fördert diese mit über 1,2 Millionen Euro. (Bild: VcG)
Wie können denn Turniere die breite Masse für Golf begeistern?
Wir als PGA of Germany können das allein nur rudimentär beeinflussen. Eine flächendeckende TV-Präsenz werden wir zum Beispiel nicht kriegen. Dafür ist Golf (noch) nicht telegen und kosteneffizient zu produzieren. Entscheidend ist deshalb, inwieweit die austragenden Clubs das Turnier nutzen und ihre Mitglieder, ihre Region für das Event, und damit für Golf, zu begeistern, zum Beispiel durch die Möglichkeit, zuzuschauen, eine „Beat the Pro“-Challenge etc. Durch den „German Swing“, die German Challenge, die Ladies German Challenge, die BMW International Open und das Amundi German Masters findet Profi-Golf jetzt bundesweit statt – ich glaube, wenn mit regionalen Schwerpunkten über Sport berichtet wird und es durch diese Turniere lokal die Möglichkeit gibt, ihn als kompetitiven Sport zu erleben, so wird das auch auf das Image des Golfsports und die Nachwuchsförderung einzahlen.„Die Nachfrage ist da, es gab nur nicht das Angebot!“
Wie ist die Nachfrage seitens der Spieler?
Die Nachfrage nach Startplätzen auf der Pro Golf Tour war in den letzten Jahren höher als das Angebot und auch in diesem Jahr erhoffen wir uns einen Rekord an Teilnehmern: zum einen weil wir bei der Pro Golf Tour das Gesamtpreisgeld von 550.000,- auf 810.000,- Euro steigern, die Zahl der Turniere von 17 auf 23 erhöhen und somit ganzjährig mehr Spielmöglichkeiten schaffen konnten, zum anderen durch die attraktiven Austragungsorte. Viele Spieler spielen einfach gerne auf der Pro Golf Tour, wir haben allein rund 50-60 Dauerspieler, die jedes Jahr dabei sind: Viele Turniere sind für dieses Jahr schon jetzt ausgebucht, die Warteliste ist teilweise lang und der „German Swing“ ein Highlight. Alle drei Turniere finden auf anspruchsvollen und renommierten Meisterschaftsanlagen in Deutschland statt. Das zieht enorm.Haben wir heute mehr potenzielle Profi-Golfer als zuvor?
Nein, die absolute Zahl der Playing Professionals hat sich kaum verändert, aber die Zahl derer, die sich bewusst entscheiden, ins Profigolflager zu wechseln und das dann auch zielstrebig verfolgen, hat sich deutlich gesteigert. Auf einer der großen Touren zu spielen, ist heute für viel mehr Playing Professionals ein Ziel als noch vor ein paar Jahren, die Nachfrage nach Startplätzen entsprechend hoch. Übrigens melden sich auch immer öfter Clubs, die sich als Austragungsort anbieten, und potenzielle Sponsoren. Das freut uns.Ohne Startplatz ist der Traum vom Profigolf ausgeträumt?
Nicht ganz. Für die German Challenge stehen zum Beispiel 50 sogenannte Tauschspots zur Verfügung. Diese tauschbaren Startplätze geben uns die Chance, Spieler ein Turnier auf der Hotelplanner Tour spielen zu lassen, für das sie sonst keinen Start gehabt hätten. Die Vergabe läuft in enger Abstimmung mit dem DGV-Bundestrainer Männer, Ulrich Eckhardt. Wir sind ein eingespieltes Team: Er sagt mir, welche Turniere und welche Spieler es sein sollen, ich sorge operativ dafür, dass diese ins Feld kommen. Das ist ein unglaublich sensibles und komplexes Thema. An einem Startplatz kann manchmal alles hängen! Ich darf keine Fehler machen, da ein Startplatz mit einem entsprechenden Ergebnis über Karrieren entscheiden kann.„Profi-Turniere sind eine große Chance!“
Ist das nicht manchmal auch eine schwere Bürde?
Es ist in der Tat eine sehr stressige, aber auch erfüllende Aufgabe, die ich vor drei Jahren von meinem ehemaligen Vorstandskollegen Rainer Goldrian übernommen habe und nun mit großer Leidenschaft wahrnehme. Er hat mir alle notwendigen Tipps und Tricks beigebracht, um einen guten Start zu haben. Oft muss alles sehr schnell gehen und es kostet viele Nerven: Klappt es mit dem Tausch? Ist der angedachte Spieler auch zeitlich verfügbar? Werden die vielen Fristen eingehalten? Ich muss immer den Überblick behalten und bin während der Turniersaison rund um die Uhr auf Abruf, zum Leidwesen der Familie auch am Wochenende und spät abends. Es macht mir großen Spaß, im Background Einfluss auf den Golfmarkt zu nehmen. Ich habe mittlerweile ein großes Netzwerk aufgebaut. Wenn einer der Spieler es aufgrund des Tauschspots schafft, aufzusteigen, zaubert mir das ein Grinsen ins Gesicht und gibt mir neue Energie!Welche weiteren Möglichkeiten habe ich als ambitionierter Amateur?
Man kann es, so oft man möchte und das Startgeld bezahlen kann, immer wieder versuchen, über die Pro Golf Tour oder eine andere Satellite Tour aufzusteigen. Als Alternativen bleiben mit kleinen Ausnahmen nur zwei Wege in den Profi-Sport: die Qualifying School oder über Einladungen durch Sponsoren oder eben die Tauschspots. Bei beiden ist das Risiko jedoch groß: So ist zum Beispiel das Budget für die komplette Qualifying School fast so hoch wie das für eine halbe Saison der Pro Golf Tour – und sie findet nur einmal im Jahr statt. Ab 2027 ergattern nur noch 15 der über 1.000 Teilnehmer letztlich die Tourkarte für die DP World Tour. Das ist fast wie Lotto spielen! Einladungen hingegen sind rar und es können nur wenige Spieler davon profitieren. Zudem ist die Anzahl der Einladungen, die ich annehmen darf, limitiert. Der Weg übers College ist zu diesen Wegen eine beliebte Alternative, um sich für die höheren Touren vorzubereiten, ist aber auch mit Risiko behaftet und auch nicht für jeden etwas. Aber wenn aus dem Traum von der Profi-Karriere nichts wird, ist nicht alles umsonst gewesen: Einige der Playing Professionals gehen den Weg über die Ausbildung zum Fully Qualified Golfprofessional. Sie haben die Expertise, Spitzenspieler zu trainieren und genießen höchstes Ansehen im Club. Playing Professionals werden sehr oft Teaching Professionals – die PGA of Germany unterstützt das mit entsprechenden Angeboten.Was wünschen Sie sich für den Golfsport in Deutschland?
Mehr Emotionen – und das bedeutet: mehr Turniergolf. Die breite Masse, auch den Nachwuchs, begeisterst du durch kompetitives Golf. Personell können wir als Pro Golf Tour mit unseren Mitarbeitern und Referees leider nicht noch mehr Turniere der Pro Golf Tour stemmen, aber: zwei, drei mehr dieser Turniere hierzulande statt in einem anderen Land, das wäre schön und wegbereitend für den Golfsport in Deutschland!Vielen Dank für das Gespräch!
Felix Lechner, Jahrgang 1979 wohnt in München, Diplom-Sportökonom, ist seit 10/24 Geschäftsführer Pro Golf Tour/EPDT Golf Tours GmbH und seit 10/21 Vorstand der Professional Golf AG, davor 2005-2009 Marketingmanager, 2009-2021 Leiter Marketing/Prokurist.
Die PGA of Germany e.V. mit der Geschäftsführerin Ines Halmburger ist in Europa die zweitgrößte Vereinigung von Golfprofessionals und sechstgrößte weltweit. Sie umfasst sieben unabhängig agierende Landesverbände, eine eigene Aktiengesellschaft und mehrere GmbHs, unter anderem die „PGA Aus- und Fortbildungs GmbH“. Die Gestaltung und Organisation der Berufsausbildung zum „Fully Qualified PGA Golfprofessional“ gehört zu den Kernaufgaben des Berufsverbandes. Die PGA-Mitgliederzahlen haben sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als vervierfacht. Golflehrer, „Teaching Pros“, machen 80 Prozent der 2091 Mitglieder aus, die weiteren arbeiten anderweitig in der Golfbranche, als Clubmanager, Pro-Shop-Betreiber, Greenkeeper, in der Golfindustrie etc. Nur 158 Mitglieder sind „Playing Professionals“ wie Martin Kaymer, Sophia Popov und Bernhard Langer. Mit der 2023 neu gegründeten PGA Business Division haben nun auch alle hauptamtlich im Golfmarkt Tätigen die Möglichkeit, in der PGA of Germany organisiert zu sein. Aktuell sind 750 Mitglieder (250 davon externe) in der PGA Business Division organisiert.