Foto: VcG - Golf hilft gegen Stress, das hat Dr. Sommer nachgewiesen

Glücksbotin

Millionen Deutsche leiden an Depressionen: Doch Grün statt Schwarz zu sehen, hilft gegen den Seelenblues, so Dr. med. Petra Sommer. Die Stress- und Hormonexpertin vermutet, dass es weniger Depressive in Deutschland gäbe, wenn mehr Golf gespielt würde. Wie Golfen Patienten aus dem „tiefen Loch“ herausführt und Gesunde vor einem Burnout schützt, ist Thema einer ihrer Studien. Wir haben nachgefragt. …

Schon als Vierjährige ist ihr klar: Sie würde einmal Ärztin sein. Heute ist Dr. med. Petra Sommer leitende Ärztin der Kurklinik Am Maasberg in Bad Sobernheim. Die sympathische Medizinerin hat sich als Gesundheitsexpertin verschiedener Fernsehsendungen und als Autorin von Bestsellern wie „Immunfit forever“, „Golf macht glücklich“ „An der Leber links vorbei“ und „Welchem Zwecke dient die Zecke“ einen Namen gemacht. Sie ist zudem begeisterte Golferin und Vizepräsidentin des Golf & Health Club Maasberg

Frau Dr. Sommer, Sie haben unter anderem eine Golf-Arthrose-Therapie entwickelt und bereits vor Jahren mit Ihrer Studie „Golf macht glücklich“ die positiven Effekte des Sportes belegt. Golf steht immer wieder im Fokus Ihrer Arbeit, auch in Ihrer aktuellen, auf mehrere Jahre angelegten Untersuchung zum Thema „Golf als Burnout-Therapie“. Worauf gründet sich Ihr medizinisches Interesse für den Golfsport? 

Ich habe in meiner Jugend Tennis gespielt, als Leistungssport bis hoch zur 2. Bundesliga. Zum Golfen kam ich durch Zufall, als ich 1998 meine Tätigkeit als Ärztin an der Kurklinik Am Maasberg aufnahm und das nebenliegende Hotel Maasberg Therme um einen Golfplatz ergänzt wurde. Ich hatte viele Vorbehalte, probierte das Golfspielen aber aus, war fasziniert und spiele heute viel mehr Golf als Tennis. Der Golfsport hat viele Vorteile, unter anderem ist er für die Gelenke besser als andere viele andere Sportarten. Da wir hier viele Patienten mit Gelenkerkrankungen haben, war mein medizinisches Interesse geweckt. 

In Ihrer Studie untersuchen Sie, ob Golfspielen eine sinnvolle Therapie-Option für Burnout-Patienten ist. Ein Thema, das aktueller ist denn je, oder?

In der Tat. Burnout ist längst eine Zivilisationskrankheit mit Millionen von Betroffenen weltweit. Tendenz steigend. Zuviel Arbeit, Stress, Leistungsdruck, Selbstausbeutung und mangelnde Selbstwertschätzung – vielen Menschen wächst alles über den Kopf, sie haben keine Ziele, keinen Antrieb mehr und ein Gefühl der Ohnmacht. Jeder Tag läuft gleich ab. Dies alles kann zu einer Depression führen. Die Krankheit wurde lange tabuisiert. Erst der Begriff „Burnout“ hat sie gesellschaftsfähig und zum Medienthema gemacht, so dass Betroffene heute eher den Mut haben, dazu zu stehen. Ein Burnout kann jeden von uns treffen. Doch es gibt Möglichkeiten, sich zu schützen: Ausdauersport wie das Golfen ist ideal, um Stress in den Griff zu bekommen. Dies belegen auch die Ergebnisse meiner Studie. In dieser haben die Betroffenen für die Dauer ihres Klinikaufenthalts, also über drei bis fünf Wochen, bei uns täglich mit Golf zu tun – mit Erfolg: Sie zeigen bei ihrer Entlassung deutlich verbesserte Hormonwerte.

Der Burnout-Betroffene hat plötzlich das Gefühl, emotional erschöpft und nicht mehr leistungsfähig zu sein. Wie ist ein Burnout aus medizinischer Sicht zu beschreiben?

Auslöser für einen Burnout ist häufig eine Stress-Situation, die ganz banale Ursachen haben kann, aber das Fass zum Überlaufen bringt. Der Serotoninspiegel, also das Entspannungshormon, des Betroffenen sinkt. Cortisol, das Stresshormon, steigt dagegen. Kann der Mensch mit Stress gut umgehen, bleiben die Hormonwerte im Normalbereich. Manifestiert sich aber dieser hohe Cortisol-Spiegel, erkrankt der Mensch. 

Warum haben Sie für Ihre Studie Golf und keine andere Sportart gewählt? 

Golfspielen senkt im Vergleich zu anderen Ausdauersportarten den Cortisol-Spiegel besonders auffällig, wie ich schon mit meiner Studie „Golf macht glücklich“ belegen konnte: Es erhöht, unabhängig von Körpergröße, Handicap und Alter des Golfers, die Werte der Glückshormone Serotonin- und Dopamin, der Körper reagiert von selbst positiv auf den Sport. Golf ist in vielerlei Hinsicht positiv: Es ist ein moderater Ausdauersport, den ich an der frischen Luft in der Natur, allein oder mit Freunden, aber ohne klassischen Gegner wie in anderen Sportarten ausübe und er ist, das ist in puncto Burnout-Syndrom das Entscheidende, niemals monoton: Golfen stellt mich stärker als die meisten anderen Sportarten immer wieder vor neue Herausforderungen. Ich erlebe Erfolg und Misserfolg, habe ein Ziel, nämlich das jeweilige Loch zu schaffen, und eine kognitive Aufgabe: Wie komme ich dahin. 

Neben medikamentösen Therapien und psychotherapeutischen Behandlungen können auch motorisch-körperliche Aktivitäten bei einem Burnout-Syndrom den Selbstheilungsprozess fördern. In psychosomatischen Kliniken wird deshalb bereits mit Sporttherapien gearbeitet. Aber haben die Erkrankten denn überhaupt den Antrieb, Sport zu treiben? 

Von allein nicht, deshalb ist ja die Kombination mit einer medikamentösen Therapie wichtig: Durch die Medikamente bringe ich den Betroffenen aus der Burnot-Symptomatik heraus und motiviere ihn, wieder etwas zu tun. Das allein wirkt aber nicht langfristig positiv, sondern wir müssen Strategien entwickeln, wie er wieder glücklich werden kann. Er muss etwas finden, das ihm im Alltag Freude macht, zum Beispiel ein neues Hobby. Vor allem aber ist körperliche Bewegung wichtig. Golf ist, wie meine Studien zeigen, eine sinnvolle Therapie-Option. Es trainiert die geistige Leistungsfähigkeit, verbessert die Stresstoleranz, liefert Erfolgserlebnisse und gibt dem Menschen eine Struktur, eine Aufgabe. Ich beobachte, dass das auch Depressiven hilft, aus ihrem Schatten herauszutreten. Ideal wäre es, wenn es noch mehr Golf-Therapieangebote gäbe und Betroffene auch nach der Therapie am Ball blieben!

Wenn ich golfe, erlebe ich, wie Ihre Studien zeigen, nicht nur ein Glücksgefühl, sondern ich senke auch mein Stress-Hormon, beuge also einer depressiven Erkrankung vor. Wie oft sollte ich in der Woche Golf spielen, um diese positive Wirkung zu erzielen?

Am besten täglich (lacht). Nein, zwei Mal die Woche wäre ideal. Entscheidend ist aber, dass Sie sich überhaupt bewegen und dass Sie etwas finden, das Ihnen Freude macht. Brechen Sie regelmäßig aus der Monotonie des Alltags aus, suchen Sie etwas, auf das Sie hinarbeiten. Jeder braucht Highlights im Leben!