Interview

Foto: Oliver Heuler

Der Golfphilosoph

Golflehrer, Buchautor, bekannter YouTuber und bekennender Hedonist: Oliver Heuler ist eine Koryphäe auf vielen Gebieten und kennt keine Langeweile. Der 52-Jährige macht nur, was ihm Spaß bringt, und das äußerst erfolgreich, mit viel Kreativität, rhetorischem und journalistischem Talent, offline wie online. Wir haben den Allrounder getroffen und uns von seiner Energie mitreißen lassen.

Herr Heuler, Sie sind seit 32 Jahren erfolgreich im Golfgeschäft unterwegs. Unter anderem haben Sie sich als Landes- und Nationaltrainer, „Golflehrer des Jahres 2001“ und Golfbuchautor einen Namen gemacht. Woher stammt Ihre Affinität für das Golfen und wie oft schaffen Sie es heute noch selbst auf die Runde?

Die Leidenschaft für Sport wurde mir wohl in die Gene geschrieben. Ich sehe mich da als glückliches Opfer, weil ich nicht anders kann. Und so ist Golf nur eine von über zwei Dutzend Sportarten, die ich intensiv betrieben habe. Das ist auch der Grund, warum ich nur noch höchst selten auf dem Platz golfe. Ich schlage vor oder nach dem Unterricht meist Bälle, aber anderen Sportarten widme ich in der Regel zwanzig Stunden pro Woche und dann ist das Spiel auf dem Platz zu zeitaufwändig.

Sie haben fünf DVDs und 15 Golfbücher verfasst, Ihr neuestes, „Draw & Order“, ist gerade auf den Markt gekommen. Im Internet veröffentlichen Sie laufend neue Inhalte, unter anderem auf Facebook und den drei Internetseiten heuler.de, voluntarist.de und golfkurse.com. Woher nehmen Sie die Energie für all diese Projekte?

Die Energie kommt daher, dass ich nur das mache, was mir Spaß macht. Ich habe immer gerne geschrieben – mein Vater war mal Journalist und deshalb liegt das wahrscheinlich auch in den Genen – und schon 1994 habe ich mit dem Falken-Verlag fünf einstündige Videos gedreht. Da habe ich von dem Regisseur gelernt, wie man Drehbücher schreibt, wie Kameraleute denken und wie man schneidet. Als Canon 2008 die erste Vollformat-Kamera herausgebracht hat, mit der man Filme drehen konnte wie im Kino, also mit  minimaler Tiefenschärfe, da habe ich richtig losgelegt. Ein gewisses rhetorisches Talent bringe ich wohl auch mit und so entstand ein erfreulicher Erfolg.

Ihr YouTube-Kanal hat über 16.000 Abonnenten und umfasst über 200 Videos. Warum sind Sie so aktiv auf YouTube?

Wenn ich die Schüler frage, die mich am Fleesensee besuchen, wie sie auf mich gestoßen sind, dann sagen 80 bis 90 Prozent: „Durch Ihre Videos auf YouTube“. Die Videos sind also ein erstklassiges Marketing-Instrument. Der schöne Nebeneffekt ist aber auch der, dass viele Golfer sich alleine verbessern können. Da bekomme ich sehr nette E-Mails mit teilweise bewegenden Erfolgsberichten. Wenn manche auch noch schreiben, dass sie über mich auf die gewaltfreie Kommunikation gestoßen sind, auf die Antipädagogik oder meine Laisser-faire-Philosophie, dann freut mich das natürlich auch.

Ist das Golfspielen überhaupt online vermittelbar/lernbar oder braucht es nicht doch Golfstunden bei einem realen Golflehrer?

Die Quote derer, die es ganz allein mit Artikeln, Büchern und Videos schaffen können, schätze ich auf zehn Prozent. Weitere zehn Prozent können es schaffen, wenn sie mir Videos von ihrem Schwung schicken und ich die anhand ihrer Ballflugbeschreibungen analysiere. Damit kann ich individuelle Nachrichten erstellen. Dem Rest bleibt nur der Weg zum Golflehrer. Aber da ist die Auswahl entscheidend. Ich behaupte keinesfalls, dass ich der Einzige bin, der dem Hobbygolfer in Deutschland schnell helfen kann – da gibt es überall Kollegen, die ich empfehle. Aber es sind auch nicht Hunderte.

Lernen im Zeitraffer: Sie sagen, eine mit 200,– Euro nicht gerade günstige 50-minütige Unterrichtsstunde bei Ihnen reicht, um einen entscheidenden Lernerfolg zu erzielen. Wie sieht Ihr Unterricht aus und gibt es eine Erfolgsgarantie?

Wer beispielsweise mit einem Slice kommt, dem garantiere ich, dass er ihn mit meiner Hilfe in einer Stunde abstellen kann. Wie so eine Stunde aussieht, kann man sich im Internet anschauen. Der Blogger Christophe Speroni hat mich mal besucht und eine ganze Stunde gefilmt. Der hat es auch geschafft, einen Draw in 50 Minuten zu erlernen. Aber ihm ging es wie vielen meiner Schüler: Dass sie es mit meiner Hilfe hinbekommen, bedeutet noch nicht, dass sie die neue Bewegung schon verinnerlicht haben und nie wieder verlernen. Wir haben uns seitdem zwar nie wieder gesehen, aber er hat mir Videos geschickt, die ich kommentiert habe. Über die Garantie entscheidet bei mir immer der Schüler: Er zahlt nur so viel, wie ihm die Stunde wert war. Und sollte sie ihm nichts wert gewesen sein, zahlt er nichts. Wobei ich eigentlich in den seltenen Fällen, in denen es mal gar nicht läuft, die Geldannahme verweigere. Oder ich unterrichte so lange kostenlos weiter, bis es klappt.

Profi und/oder ambitionierter Freizeitgolfer: Wer nimmt bei Ihnen Unterricht?

Im Jahr habe ich selten mehr als eine Handvoll Pros zum Unterricht hier. Meine Schüler sind auch nicht alle wahnsinnig ehrgeizig oder ambitioniert. Die meisten liegen irgendwo zwischen Vorgabe 4 und 54, wobei die einstelligen Golfer eher selten sind. Die mittleren und hohen Handicapper sind aber auch genau die Gruppe, die mir am meisten Spaß macht, da man hier die schnellsten Verbesserungen erzielen kann. Mit den Nationalspielern musste ich mitunter Jahre arbeiten, damit die zwei oder drei Schläge sparen konnten. Das empfand ich als mühsam. Außerdem habe ich es dort immer mit Jugendlichen zu tun gehabt und mir macht die Arbeit in der Erwachsenenbildung noch mehr Spaß.

Sie korrigieren immer nur das, was für einen guten Schlag wichtig ist und lassen Schönheitsfehler außer Acht. Ihr Ziel sind bessere Schläge und nicht schönere Schwünge. Maximal drei Tage Unterricht mit je 50 Minuten reichen aus, mehr brauche niemand. Ist diese Konzentration auf das Wesentliche Ihr Erfolgsgeheimnis?

Es ist eigentlich kein Geheimnis mehr. Aber es wird trotzdem selten kopiert, weil es eben nicht so einfach ist. Ich habe auch über zehn Jahre gebraucht, bis die Erfolgsquote halbwegs brauchbar wurde. Bevor man sich da mit einer Erfolgsgarantie weit aus dem Fenster lehnt, hat man besser eine 95-prozentige Erfolgsquote, sonst bleibt am Ende nichts im Topf.

Golflehrer sind in der Regel daran interessiert, möglichst viele Stunden zu verkaufen und raten ihren Schülern meistens dazu, kontinuierlich Unterricht zu nehmen. Ihr Modell ist ein anderes. Aber können Sie als Golflehrer ausreichend Geld verdienen, wenn Sie maximal drei Stunden pro Schüler geben und das Ziel haben, den Schüler zu seinem eigenen Golflehrer werden zu lassen?

Die Entscheidung der Beschränkung auf drei Stunden entstand nicht aus finanziellen Überlegungen heraus, auch nicht aus karitativen, sondern aus dem egoistischen Nutzenkalkül, dass es mir einfach zu langweilig wird, wenn der Job erledigt ist. Wenn der Slicer weiß, was er tun muss, um Draws zu schlagen, und er es nur noch verinnerlichen muss, dann wird die Golfstunde zum betreuten Üben. Das ist für mich langweilig, weil ich dabei nicht mehr viel lerne. Genau das ist es aber, was mich morgens aus dem Bett treibt: die Aussicht auf Erkenntnisgewinn. Kommen immer neue Leute, habe ich es dauernd mit neuen Problemen zu tun. Die diversen Fehlerkombinationen erfordern jedes Mal eine individuelle Lösung und jeder Golfer hat ein ganz eigenes Gehirn, auf das ich mich auch erst mal einstellen will. Aus diesem Grund ist mir das Unterrichten nach 30 Jahren noch nicht langweilig geworden. Künftige Golfer profitieren auch von meiner Beschränkung, weil ich so über mehr Erfahrung verfüge, als wenn ich immer die gleichen Leute unterrichten würde. Deshalb arbeite ich auch so gerne am Fleesensee, einem Freizeit-Resort, und nicht in einem normalen Golfclub.

Auf Ihrer Homepage greifen Sie das Klischee vom Golfunterricht als bezahltem Smalltalk mit gelangweilten Ehefrauen der Hautevolee auf. Was zeichnet einen guten Golflehrer und Golfunterricht aus?

Das kann ich nicht pauschal sagen, denn das ist ja davon abhängig, was derjenige sucht. Eine gelangweilte Ehefrau der Hautevolee sucht vielleicht nicht die effektivste Schwungkorrektur, um den Ball zehn Meter weiter zu schlagen. Die will eventuell nur betreutes Üben oder ein nettes gemeinsames Ründchen auf dem Platz, bei dem der Lehrer bisweilen den ein oder anderen „Tipp“ einwirft und auch Komplimente nicht zu kurz kommen. Das ist jetzt überspitzt gezeichnet, aber eine wichtige Erkenntnis in meinem Leben lautet: „Wert ist immer subjektiv“.

Wie haben sich der Golfunterricht und die Schüler in den letzten zwanzig Jahren verändert?

Auch ein wenig pauschalisiert und pointiert formuliert: Früher empfand sich der Schüler eher als Bittsteller. Die Pros waren die Verwalter der Platzreife und gleichsam die Götter mit den weißen Schuhen und Handschuhen. Alle schauten mit offenem Mund, wenn der Pro seinen Ball am ersten Abschlag in den Horizont katapultierte, und der genoss a priori Ansehen. Heute muss sich der Pro eher als Dienstleister verstehen. Die Zahl der Pros hat zugenommen und die Nachfrage nach Unterricht abgenommen. Das macht bescheidener.

Bei all Ihrem Engagement rund ums Golfen fällt eines auf: Sie bekleiden kein offizielles Amt innerhalb eines Verbandes – weder bei der PGA of Germany noch beim Deutschen Golf Verband. Ist das Absicht? Könnten Sie Ihren Anliegen und Positionen nicht mehr Ausdruck verleihen, wenn Sie sich auf verbandspolitischer Ebene engagieren würden?

Ich habe das alles viele Jahre versucht. Ich hatte auch lange ein Weltretter-Syndrom. Inzwischen ist mir klar, dass es schlauer ist, wenn ich mich selbst therapiere und nicht die anderen unter die Dusche stelle. Wenn sich dann hin und wieder der ein oder andere durch mich inspirieren oder ermutigen lässt – wunderbar. Mehr erwarte ich nicht.

Sie setzen sich sehr kritisch mit dem Golfsport, mit seinen Mythen, seinen Irrtümern, der etablierten Golflehre, aber auch mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander. Manche behaupten, Sie seien ein Golfphilosoph in der Tradition der Aufklärung. Fühlen Sie sich damit richtig eingeordnet und beschrieben?

Aufklärung ist natürlich ein großes Wort. Tatsächlich geht es aber in meinem nächsten Buch um dieses Thema. Es wird keinen Golfbezug haben und ich will darin beschreiben, wie das Erwachsenwerden aussehen könnte. Wie kann man sich ein Leben jenseits von Unterwerfung und Rebellion vorstellen?

Sie schätzen Vicco von Bülow, seine Bücher und Filme. Welche Rolle spielt der Humor in Ihrem Leben – und vor allem bei Ihrer Tätigkeit als Golflehrer?

Meine Kollegen und Schüler berichten immer wieder, dass man auch in den Nachbarhütten hören kann, ob ich Unterricht gebe, weil da so viel gelacht wird. Aber Lachen ist nicht gleich Lachen. Das Lachen über andere ist nämlich fast immer Spott. Aber Spott versperrt den Blick auf das, was ist, und es verstärkt das Moralisieren. Ich hoffe also, dass das in meinem Unterricht immer seltener wird und die schiere Freude am Dasein, dem Leben, der Welt und dem Golfspiel das Lachen in meiner Hütte speist.

Das wünschen wir Ihnen auch. Herr Heuler, vielen Dank für das Gespräch!

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