Foto: Matthias Gruber, GruberImages.com

Schelmischer Meenzer

Helau – in Mainz wird nicht nur gerne Fastnacht gefeiert, sondern offenbar auch gerne gegolft: Der 18-Löcher-Platz des Mainzer Golfclubs sorgt für gute Stimmung. Von den VcG-Mitgliedern in der Region Mitte wurde er zu ihrem „Lieblingsplatz 2018“ gewählt. Lobpreisungen hin oder her: Ist der Platz nun ein Knallbonbon oder ein echter Kracher? Wir haben die Anlage genauer unter die Lupe genommen …

Auf nach Mainz!

„Heute geht’s in die Metropole der Närrinnen und Narrhalesen“, frohlocke ich vor meiner morgendlichen Müslischale. Doch als ich den Routenplaner befrage, gibt er mir zu verstehen, dass der Mainzer Golfclub (MGC) gar nicht in Mainz, sondern in Budenheim liegt! „Hoppla!“, denke ich. „Ein Marketing-Gag?“ Handelt es sich etwa doch um einen Dorf-Club, der sich nur großstädtisch gibt? Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Gemeinde Budenheim an die Landeshauptstadt angrenzt und der Club infrastrukturell ideal angebunden ist: Vom Mainzer Dom sind es rund acht, vom Zentrum der Wiesbadener Innenstadt schlappe zehn Kilometer bis zum ersten Abschlag. Das nennt man wohl stadtnahe Spitzenlage!

Oh, ein Leading Club

Bei meiner zweiten Tasse Kaffee entdecke ich, dass dem MGC nicht nur das goldene „Golf & Natur“-Zertifikat verliehen wurde, sondern dass er auch zu den „Leading Golf Clubs of Germany“ gehört. Dahinter verbirgt sich eine Werte- und Qualitätsgemeinschaft von 34 Golfanlagen, die danach streben, ihren Mitgliedern und Gästen eine „Golfkultur auf höchstem Niveau“ zu bieten. „Oh la la!“, denke ich. Diesem Anspruch möchte ich in nichts nachstehen. Also plätte ich geschwind das Polo, säubere die Schläger und poliere die Schuhe. Die Generalprobe gelingt: Der Kollege im Spiegel sieht vortrefflich aus!

Schickes Willkommen

Wenig später starte ich den Wagen und parke nach einer problemlosen Anfahrt neben einem stattlichen Gebäude: Das Clubhaus. Neu, schick, modern und einladend sieht es aus. Im Bauhaus-Stil gehalten. Gerade Linien, Glas, Beton, Flachdach. Begrüßt werde ich von einem imposanten, sehr großzügig geschnittenen Entree. Das Interieur ist funktional, übersichtlich, stilsicher und von schlichter Eleganz. Das uniformierte Personal gibt sich freundlich, offen und überraschend locker – ich fühle mich sofort willkommen.

Terrasse mit Ausblick

Vom Counter aus werfe ich einen Blick ins angrenzende Restaurant: Mir eröffnet sich ein stilvoll eingerichteter Raum, eine offene Küche und eine riesige Terrasse mit einem beeindruckenden Blick über die Anlage. Direkt vor mir liegt der Abschlag 1, schräg unten lässt sich ein terrassenförmiges Grün erkennen, dahinter ein großer Teich, rechts posiert eine steile Felswand und in weiter Ferne tummeln sich Spieler auf einer Bergkuppe. Beeindruckend. Schön. Und ein wenig beunruhigend. Instinktiv eile ich zu meinem Bag und prüfe den Ballvorrat: „Sechs Bälle, das müsste reichen.“

Großes Übungsareal

Erlöst geht’s zum Warmmachen. Die breite Driving Range mit vielen überdachten Abschlägen liegt, zusammen mit drei Übungsgrüns, nur wenige Meter vom Clubhaus entfernt. „Respekt!“, denke ich, „das ist logistisch perfekt gelöst.“ Eine halbe Stunde später begrüßt mich links neben dem ersten Abschlag ein weiteres großes Putting-Grün mit einer angrenzenden Chipping-Area. Komfortabel und gut durchdacht.

Kurz, aber würzig

Die Terrasse ist an diesem Montagmorgen menschenleer, so dass ich mich ganz auf das Bevorstehende konzentrieren kann. Für ein Par 4 ist die erste Bahn mit einer Länge von 315 Metern (Gelb) recht kurz. Instinktiv zücke ich den Driver. Doch ein Blick ins Birdie-Book lässt erahnen, dass hier eher Taktik und genaues Spiel als streuende Gewaltschläge gefragt sind: Die Bahn geht leicht bergauf, in etwa 160 Metern thront in Spielrichtung ein üppiger Baum, danach fällt die Bahn ab, auf der linken Seite erstreckt sich ein langes Wasserhindernis, rechts lauert ein Abgrund, das Fairway ist schmal, das Grün von einem üppigen Bunker verteidigt. „Hm“, denke ich, „der Meenzer Kollege macht es mir nicht leicht“. Also wähle ich die Doppelabschlag-Variante. Einmal Driver: „Oh, der ist weg!“, einmal Eisen 5: „Na bitte, der liegt neben dem Baum!“ Ein PW, ein SW, zwei Putts. Ich notiere: Ein vorgegaukeltes Bogey. Immerhin.

Schelmisches Wesen

Noch ahne ich nicht, dass die Besonderheiten des ersten Loches für den ganzen Platz gelten: Schaut man auf die Länge der Bahnen, gibt sich der Meenzer Bub meist harmlos und bescheiden. Sein schelmisches Wesen offenbart sich in seinem herausfordernden Layout: Die meisten Fairways sind schmal, die Grüns onduliert, die Ausrollzonen kurz und beinahe auf jeder Bahn lauern neue, arglistige Gefahren.

Ach, du Schlucht

Am Abschlag der vierten Bahn, einem kurzen Par 4, ringe ich zum ersten Mal um Fassung: Ich blicke in einen ungeheuren Abgrund. Es geht gefühlte 75 Meter steil bergab. Rechts eine gewaltige Felsformation, links eine langgezogene Ausgrenze, das Grün unten im Tal, 287 Meter entfernt, davor eine Baumgruppe, dahinter ein Grünbunker. Bizarr. Irrsinnig. Schön. „Das ist nicht dein Ernst!“, rufe ich der Schlucht entgegen. Daraufhin nickt mir der Meenzer aufmunternd zu und reicht mir den Driver: „Nur Mut!“ Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. „Fummmppp!“ Gemeinsam gucken wir der Kugel hinterher. Sie fliegt. Und fliegt. Und fliegt. Und landet. Aber wo? „Nee, das kann nicht sein!“, winke ich ab. „Doch, mein Lieber, der Ball liegt rechts auf dem Grün!“, freut sich der Meenzer – und nimmt mich etwas ruppig in den Arm. „Unfassbar, einfach unfassbar“, denke ich und schwebe, von einem lange anhaltenden, überaus erhebenden Gefühl getragen, dem ersten Birdie entgegen.

Bälle futsch

Vom Platz und mir gleichermaßen begeistert, gehe ich auf den nächsten Bahnen ein wenig zu offensiv vor. Nach den ersten zehn, sehr abwechslungsreichen Löchern stelle ich fest: Vier Bälle sind futsch. Rest zwei. Aua. Also lasse ich an der Elf das Hölzchen stecken. Und tatsächlich: Trotz der massiven Steigung im zweiten Teil der Bahn reichen drei gemütliche Eisenschläge und zwei Putts aus – und ich notiere mein drittes Par. Hurra!

Ein  Platz, zwei Gesichter

Jetzt zeigt der Meenzer Kollege sein zweites Gesicht: Während er mich auf den ersten zehn Bahnen durch eine von Felsen, Gewässern und wilder Botanik geprägte Landschaft eines alten Steinbruchs geführt hat, offeriert er mir nun eine neue Welt: Eine weitläufige, etwas karge Landschaft mit herrschaftlichen Panoramablicken über Wiesbaden und den Taunus. Dass es sich hierbei um das Gelände einer ehemaligen Mülldeponie handelt, ist dem Hügel nicht anzumerken, schmiegt er sich doch harmonisch in die Landschaft ein. Zu meinem Erstaunen gewinnen nun auch die Fairways deutlich an Weite. Und Breite. Also zücke ich auf den nächsten Abschlägen den Driver. Mit Erfolg. Nur auf Bahn 16, einem 544 Meter langen Par 5, das vom Abschlag nicht einsehbar ist, verschwindet ein weiterer Ball. Fünf futsch, Rest eins. „Jetzt wird’s eng“, denke ich.

Malerischer Abschluss

Am Ende warten zwei Leckerbissen: Die Bahn 17 führt mich mit einem atemberaubenden Blick von einem gefühlt 50 Meter erhöht liegenden Abschlag in ein weiteres Tal. Unten angekommen, weist mich der Weg zum Abschlag der 18. Bahn in das noch tiefer gelegene Gelände des ehemaligen Steinbruchs. Dort rekelt sich ein malerisch gelegenes, lediglich 251 Meter langes Par 4 in der Sonne. Wunderschön! Doch Obacht: Das von einem leicht erhöhten Abschlag anzuspielende Fairway ist von beiden Seiten von Wasser umgeben. Und das nach vorne abfallende Grün liegt jenseits eines zu überspielenden Teiches. Angesichts meines nicht mehr vorhandenen Ballvorrates entscheide ich mich für die defensive Variante und fische das Eisen 9 aus dem Bag. Die Taktik geht auf, der Ball liegt gut, so dass ich das Grün mit dem zweiten Schlag angreifen kann. „Sehr schön“, lobt mich der Meenzer Kollege, als die Kugel tatsächlich auf dem Grün einschlägt. Und als mein Ball nach dem dritten Putt (Mist!) im Loch verschwindet, bedanke ich mich recht freundlich und weiß ganz sicher, dass ich noch einige Male wiederkommen werde.

Fazit

Der MGC bietet nicht nur ein ansprechendes Ambiente, eine überzeugende Willkommenskultur und umfangreiche Übungseinrichtungen, sondern verfügt auch über einen gepflegten, abwechslungsreichen und spektakulären Platz, dessen außergewöhnliches Layout in Deutschland seinesgleichen suchen dürfte. Doch Achtung: Wer hier ein gutes Ergebnis spielen möchte, sollte überlegt vorgehen, häufiger seine Eisen einsetzen und den Hölzern auch mal eine Pause gönnen. Wer ausreichend Bälle mit auf die Runde nimmt, dürfte auf dem Platz großen Spaß haben und unvergessliche Eindrücke gewinnen. „VcG-Lieblingsplatz 2018“ – die Auszeichnung hat er sich verdient! Weitere Infos hier.

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