Foto: Monica Deniers / WPF.

Land, Leute, Golf

Ostkanada: Die Betten sind höher, die Toiletten tiefer, die Leute sehr kommunikativ und hilfsbereit und die vielen Golfplätze werden an den Ausfahrten der Schnellstraßen angezeigt. Der Verkehr rollt gemächlich durch unterschiedliche Landschaften über ungewohnt große Entfernungen. In Ostkanada ist manches anders, auch anders als erwartet. Wer sich darauf einlässt, den erwarten eine Menge Spaß und schönes Golf.

Natur pur und über 1.000 Golfplätze

Kanada gilt als Geheimtipp, Ostkanada ist unser Ziel: Den Flug Frankfurt - Toronto gibt es zum Beispiel mit Condor ab rund 300,– Euro plus Golfgepäck! Ungewohnt, unsere beiden Bags sind die einzigen. „Grund der Einreise?" Land, Leute, Golf. „Und da haben Sie sogar Ihre eigenen Schläger mitgebracht?" Tatsache, der europäische Golftourismus hat Kanada noch nicht entdeckt. Bevor die bestaunten Schläger grün sehen, bestaunen wir Toronto.

Toronto: Kultur & Natur

Den besten Blick auf die Stadt hat man von der Fähre zu den Toronto Islands oder – mit Helm (!?!) und durch ein dünnes Stahlseil gesichert – vom geländerlosen, schmalen obersten Steg des CN Towers. Ein weiteres Muss: die Niagarafälle, wirklich beeindruckend und am besten zu sehen um 6 Uhr morgens, bevor die Busse kommen, oder beim Dinner aus dem Drehturm-Restaurant des Skylon Towers. Die Niagara-Park-Verwaltung betreibt drei gut gepflegte Golfplätze. Wer nur einmal spielt, sollte Battlefield wählen und sich neben dem Sport noch etwas Historie gönnen.

Ottawa: Golf & Gespräch

Unweit von Montreal liegt die kanadische Hauptstadt Ottawa. Stadt und Geschichte gibt es per Hop-on-hop-off-Bus oder Bootstour. Viele Golfplätze und der etwas andere: Richmond Centennial, 70 Canadian Dollar für zwei Spieler mit Cart, ein um alles besorgter Pro und ein Course, der besonders auf den zweiten Neun mit Überraschungen aufwartet. Hast du schon mal ein 165-Meter-Par-4 gespielt? Es ist nicht einfach. Mit Leuten ins Gespräch zu kommen dagegen schon. Selbst Polizisten sind traditionell hilfsbereit. Nett sollte dann auch der Gast sein: Das Paar vor uns spielt um Geld, also ernsthaft. Wir treffen uns an jedem Abschlag. An der 12 kommt uns der Jüngere entgegen. Endlich durchspielen? “How do you like the course?“ Verblüffung! “Nice“. Sein Gesicht zeigt: Das reicht nicht. “Very, very nice“. Reicht auch nicht. “Awesome!“ Befriedigt nickend verschwindet er wieder.

Quebec: Oui & Wale

(Ernst-)zunehmender Sprachwechsel. Ausländern wird manchmal noch Englisch gestattet, mancher spricht aber aus Unvermögen oder Prinzip nur Französisch. Golferisch misst man in Yards, aber selbst die werden separatistisch übersetzt: "Verges" kennt auch der Langenscheidt in dieser Bedeutung nicht. Über die reizvolle Chemin du Roy geht es bergauf, bergab parallel zum St. Lorenz zu den Walen. Erwartet: riesige Schwanzflossen. Gesichtet: helle, Schaumkronen ähnelnde Rücken von Belugas. Touranbieter heißen zum Beispiel "Whale & Bird Watching", was schon deutlich auf die Frequenz von Blauwal-Sichtungen hinweist. Merke: Wo viele Walsucher, da wenig Golfplätze. Am Ende der 600 Kilometer rund um die Peninsule de la Gaspésie wartet Carleton Terrain de Golf, ein Platz mit spektakulären Löchern längs der Steilklippen und ohne eigene Website. Nach Überqueren der Brücke nach Campbellton ist es plötzlich eine Stunde später. Zeitzone. In St. John drängt die Flut einen Fluss an einer Felsbarriere soweit zurück, dass er zeitweilig seine Fließrichtung zu ändern scheint – Reversing Falls. In Moncton gibt es neun Golfplätze, aber keine Startzeit, weil alle noch mal vor der Winterpause spielen wollen. Um Truro liegen sechs Golfplätze, einer turniert, einer steht zum Verkauf, einer wird gerade Bauland, einer ist ganz weg und bei dem fünften steht nur noch das hübsche Clubhaus. Also Mountain View morgens um 10 Uhr im Nebel – auch ein Naturwunder.

Nova Scotia: Wildlife & Wow

Über Jahrhunderte schottisches Auswandererziel, die Besatzung der Zitadelle in Halifax, historisch bevölkerte Museumsdörfer und vielfache Highland Games beweisen es. Das Leid mit der Folklore teilen die alten Auswanderer übrigens mit den euphemistisch First Nations genannten Ureinwohnern Canadas. Trotz in den letzten Jahren geänderter Regierungspolitik erfährt man über touristisch genutzte Pow Wows hinaus nur wenig über Geschichte und Lebensumstände der Indianer. Dafür hat die Halbinsel mit dem Cape Breton National Park den eindeutig schönsten Flecken, außerhalb des Parks die schlechtesten Straßen und mit Cabot Cliffs und Cabot Links die teuersten Golfplätze der kanadischen Ostküste. Ob sie die 295 Canadian Dollars plus Caddie wert sind, ist Ansichtssache. Und die wilden Tiere? Am besten einfach mal hinfliegen!

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