Foto: Golfclub Schloss Braunfels.

Golfclub Schloss Braunfels

Mittwochs im Märchenwald. Der Golfclub Schloss Braunfels ist seit 2014 Turnierpartner der VcG. Grund genug, die Anlage einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. VcG-Marketingchef Johannes Podszun machte sich auf den Weg.

Braunfels? Hm. Wo mag das liegen? Ein Blick auf die Karte verrät: Im Hessischen. Ziemlich genau zwischen Limburg und Gießen, etwa 75 Kilometer von Frankfurt und Wiesbaden entfernt. „Na bestens! Für eine golferische Spritztour ist das ideal!“ Also packe ich an einem Mittwochvormittag meine sieben Sachen und gebe Stoff. Fünf Kilometer vor dem Ziel wird es mächtig waldig. Die Straße wird eng und enger. Autos, Häuser und Menschen verschwinden im Dickicht. Die Zivilisation ist untergetaucht. Es ist dunkel. Und still. Hier könnten Hänsel und Gretel zuhause sein. Leise klappern im Kofferraum meine Schläger. Plötzlich wird es heller. Eine Lichtung tut sich auf. Und von blühenden Kastanien umsäumt führt der Weg hinab in ein saftiges Tal, in dessen Mitte ein historischer Gutshof steht. Das Clubhaus. Malerisch. Ringsherum sind Golfbahnen zu sehen.

Ich werde freundlich empfangen. Gelassenheit macht sich breit. Und als ich an Tee 1 meinen ersten Ball in den Wald jage, fühle ich mich in eine andere Zeit versetzt. In eine ruhigere und friedlichere. In eine Zeit, in der es Kobolde, Wichte und Zwerge gab. In eine Zeit, in der die Natur über die Menschen herrschte und am Ende immer das Gute siegte. Wie in einem Traum hole ich – ganz ohne Wut – einen zweiten Ball aus meiner Tasche und kassiere auf der ersten Bahn einen Doppel-Bogey. Aber auch diese Schmach nehme ich gelassen hin. Zu berauscht bin ich von der Schönheit des mächtigen Waldes, der sich rings um die Bahn auftut.

Auf der zweiten Bahn, einem Par 4, treffe ich den Drive ideal. Als ich um die Ecke biege und die Kugel auf dem Fairway liegen sehe, erspähe ich auf dem Grün zwei ältere Herrschaften. Eine Dame, ein Herr. Grüßend winken sie mir zu. „Möchten Sie durchspielen?“, fragt er mit sonorer Stimme. „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, gern!“ „Wir haben Zeit, junger Mann – spielen Sie ruhig!“, zwinkert mir die Dame freundlich zu.

Kurz darauf stehe ich auf dem Abschlag der dritten Bahn: Ein Par 3. 150 Meter. Abschüssig. Wind leicht von vorn. Na gut. Eisen 7. Die Kugel bleibt auf dem Grün liegen. „Da ist das Ding!“ Als ich die Pitchmarke ausbessere, bin ich verwirrt. Warum, weiß ich nicht. Im Wald raschelt es. Das Unterholz bewegt sich. Die beiden Herrschaften sitzen gemütlich auf einer Bank. Merkwürdig. Es scheint in Ordnung zu sein. Dennoch: Irgendetwas irritiert mich.

An Bahn 4, einem 490 Meter langen Par 5, fliegt der Ball dahin, wo er hingehört. Aufs Fairway. Es läuft. Und als ich über die Anhöhe gehe, ruft mir die Kugel aufmunternd entgegen. „Auf geht’s!“ Mit dem dritten Schlag landet der Ball ein paar Meter neben der Fahne. Aufatmen. Vom Grün aus blicke ich zurück in Richtung Abschlag. Ringsherum riesige Bäume, dichte Büsche, blühende Sträucher und Kastanien. Und: absolute Ruhe. Bis auf ein wenig Vogelgezwitscher ist nichts zu hören. Kein Auto, kein Moped, kein Flugzeug. Kein Gerede. Kein Trecker. Keine Kuh. Nicht einmal ein ländlicher Pferdewagen. Der zweite Putt fällt. „Ein Par!“

Fröhlich wandere ich übers Grün zurück zu meiner Tasche. Und jetzt wird mir klar, was mich vorhin irritierte: „Pitchmarken! Wo sind die Dinger?“ Ich laufe noch einmal zur Fahne. Und gucke genau hin. Nichts. Auch weiter oben und links unten: „Nichts!“. Nicht eine einzige Pitchmarke. Ich weiß nicht, wie das möglich ist. So gut gepflegte, saftige Grüns habe ich selten gesehen. Vermutlich haben hier doch ein paar Elfen ihre Hände im Spiel.

Bei den Nummern 5, 6 und 7 läuft es weniger gut. Da alle Par-4- und Par-5-Löcher vom Abschlag aus nicht einzusehen sind und die meisten Bahnen auch noch Schrägen haben, ist es nicht ganz leicht, den Ball richtig zu platzieren. Zumindest, wenn man den Platz zum ersten Mal spielt. Also notiere ich: Bogey, Bogey, Doppel-Bogey – und nehme einen großen Schluck aus der Wasserflasche.

Der Weg zur Bahn 8 führt mich durch ein Waldstück. Wieder raschelt es. Und durch die Bäume erblicke ich jetzt ein Tier. Vierbeinig. Stattlich. Behörnt. Und vermutlich behuft. Es erschrickt. Und läuft bockend davon. Aber was war das? Ein Wisent? Ein Einhorn? Ich stärke mich mit einem der Müsliriegel, die seit sieben Wochen in meinem Bag darauf warten, verzehrt zu werden. Bestimmt ein Hirsch. Oder ein Springbock.

Auf den Bahnen 9, 10 und 11 liegt mir der Riegel quer im Magen. Doch dann kommt sie, die Serie. Fünf Pars in Folge. „Caramba!“ Dabei geht es auch auf diesen Bahnen recht hügelig zu. Zur Belohnung fummele ich den allerletzten Müsliriegel aus der Tasche. Köstlich ist anders. Nach einem Bogey auf der 17 lege ich eine Pause ein – und genieße an einer der höchsten Stellen des Platzes einen wirklich atemberaubenden Panoramablick. Bevor mir ein „Ach-ist-das-schön!“ entgleitet, geht’s zum nächsten und letzten Tee.

Die Bahn 18 ist ein Highlight. Von oben geht’s 469 Meter zurück ins Tal. Erst nach dem Drive zeigt sich die Bahn in ihrer vollen Pracht – denn zum Schluss öffnet sich noch einmal ein traumhafter Blick auf das gesamte Orchester dieser prächtigen Naturlandschaft. „Wow!“ Wenn auch ein wenig lahm in den Beinen brause ich – an Hänsel, Gretel und den sieben Zwergen vorbei – zurück in die nervige Zivilisation.

Fazit:

Der GC Schloss Braunfels bietet einen eher sportlichen Platz in einer traumhaft ruhigen, fast märchenhaften Lage, der für Golfer aller Spielstärken gut zu bewältigen ist. Der Pflegezustand ist top, insbesondere die Fairways und Grüns sind bestens in Schuss. Der Platz ist hügelig – ein Trolley ist zu empfehlen. Zu beachten ist, dass der Platz über viele „blinde Löcher“ verfügt, die erst nach dem Abschlag besser einzusehen sind. Für 50,- Euro (WT) bzw. 65,- Euro (WE) bekommt man viel geboten. Also: Hinfahren und spielen!

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