Foto: Golf Course Siebengebirge.

Golf Course Siebengebirge

Das Loch ist weg. Als der Golf Course Siebengebirge noch GC Waldbrunnen hieß, habe ich auf der jetzigen 7 einen kerzengeraden, gefühlt 200 Meter langen Abschlag mitten auf dem Fairway in einer knapp einen Quadratmeter großen offenen Zisterne versenkt. Das ist lange her, heutzutage sagt mir das verdammte GPS mit nervender Genauigkeit, dass meine Abschläge höchstens vom Hochplateau oder auf Eis die 200-Meter-Marke überqueren. Der Platz ist umgebaut, die Zisterne längst zugewachsen – Zeit, es noch einmal miteinander zu versuchen.

Ankommen.

A3, Ausfahrt Bad Honnef, noch vier Kilometer bis zum Platz. Ich fahre mit Navi, und das ist gut so, denn Hinweisschilder sind Mangelware, bis das Clubhaus und die Einfahrt zum Parkplatz auftauchen. Nach einem freundlichen Plausch steige ich in eines der brandneuen feuerwehrroten E-Carts mit GPS plus virtuellem Birdie Book und biege erst mal falsch ab. Das ist definitiv mein Fehler, denn die Hinweise auf dem Platz lassen nichts zu wünschen übrig. Einfahrt, erstes Tee, nächstes Tee, selbst der Griff zur rettenden Toilette im Halfway House ist narrensicher beschriftet – man muss nur hingucken!

Losspielen.

Tee 1: Ein prächtiger Anblick. Nach dem braunen Winter sprießt sattes Grün, sorgfältig in drei Höhenstufen geschnitten. Mein Drang zum Slice erweist sich als günstig, die Bahn hängt, wie viele ihrer Kolleginnen, nach links. Tau lässt das Grün langsam aussehen, der Ball kümmert sich aber nicht drum und schießt davon. Monster-Rückputt gelocht – Begeisterung.

Auf dem Weg zum zweiten Abschlag zeigt sich eine Besonderheit: Straßen kreuzen. Kein Auto, also rüber, aufs Grün, Putt, diesmal zu kurz, war ja klar. Am dritten Abschlag Verwirrung: 3 und/oder 15? Statt auf dem Mercedes Course (1 bis 18) startet der Spieler zu bestimmten Zeiten oder Turnieren auf dem Jeep Course ab Loch 7. Aus Bahn 3 wird dann die 15. Aha, so ist das! Für den angebotenen Ausguck auf Bahn 3 bin ich zu klein, ich sehe nichts außer dem leicht an stei genden Fairway. Abschlag blind, natürlich rechts, das ist gut. Der Zweite zum Ausgleich nach links. Erkenntnis: Bunker gibt’s hier auch.

Es folgt ein Dogleg, das einem krummen Hund Ehre antäte und ein weiteres Schild, das vor linken Tendenzen warnt. Ich spiele natürlich nach rechts, vor Schreck gleich auf die Nachbarbahn. Glücklicherweise ist dort keine Ausgrenze. Dann das: Auf der Bahn 6 erwischt mein Ball über der linken Kuppe optimal den Hang und springt immer weiter nach vorne, gefühlte 200 Meter, pfeif auf das GPS. Die Kuppe umkurvt, da liegt er, kurz vor dem Grün. Und da liegt noch einer ... und noch einer ... und noch ganz viele. Die Driving Range links hatte ich übersehen. Der kurz vorm Grün trägt übrigens zwei markante Streifen – meiner ist es nicht.

Halfway nach 7.

Nach dem siebten Grün, romantisch am Teich mit Weide und Hütte gelegen, erreicht man das Halfway House. Puristen mögen einwenden, dass der Name unzutreffend ist, egal, nutzen Sie die Gelegenheit, sie bietet sich erst wieder nach der 16. Denn jetzt verlassen wir den Platz, und es wird klar, warum die Carts mit Nummernschild, Licht, Hupe und Blinker ausgestattet sind: An einer Kapelle (!) vorbei geht es auf öffentlichen Straßen wohlgeleitet durch den Ort Hallerbach zum achten Tee, ein Golfcart-Fahrgefühl, das in Deutschland selten ist, aber unglaublich Spaß macht.

Vorsicht mit dem Driver auf der 9, der zweite Schlag passiert linkerhand den höher gelegenen ersten Bunker, dann den zweiten und den dritten. Schwanken zwischen Hoffnung und Zweifel: War da noch ein vierter? Hätte ich mal besser vorher auf die elektronische Anzeige im Cart geschaut. Aber der Ball liegt auf dem Grün – alles gut.

Die zweiten 9.

Loch Nummer 10 bietet eine tolle Abschlagposition mit Aussicht auf Natur und einen gelungenen Drive – wenn man nicht den rechts gut sichtbaren Bunker trifft. An den Rest will ich mich eigentlich nicht erinnern, nur so viel: Es gibt ein bis zwei kleine Wasserläufe ... Für füßelnde Spieler bilden 12 und 13 ideale Auslass-Löcher, es geht ziemlich runter, dann wieder ziemlich rauf, und am Ende landet man am Abschlag 14 direkt neben Grün 11. Mit Cart ist das jedoch alles kein Problem und die gemein in Drivelänge platzierten Bunker umspiele ich locker – ätsch! Ab der 15 geht es wieder bergab, ein Birdieloch, wenn der Abschlag sitzt. Die 16 ist ein Birdieloch der anderen Art: Am Teich vor dem Grün hat sich allerlei Wassergeflügel angesiedelt, das sich beim intensiven Fairway-Futtern auch nicht von gefährlich tief fliegenden Bällen aufscheuchen lässt.

Plötzlich ein dezentes „Pling“. Der Blick auf den Monitor zeigt die Bitte um Beachtung der Straßenverkehrsordnung und erinnert an die Rückfahrt durch den Ort. Einbiegen, Blinker setzen, Gegenverkehr abwarten, abbiegen ... angesichts des jetzt regen Autoverkehrs auf der Hauptstraße bin ich ganz froh, mit meinem roten Flitzer wieder den gewohnten Golfplatzboden unter die Räder zu bekommen. Nach der kurzen, steilen 17, der langen 18 und einer letzten Straßenquerung ist die Runde zu Ende. Schon? Leider!

Fazit.

Ich habe auf 18 Löchern keinen Ball verloren! Der Platz ist im Frühjahr 2015 in einem sehr guten Zustand und wird intensiv gepflegt. Wasser und Sand kommen selten ins Spiel, aber das saftig sprießende Rough und die zum Teil engen Fairways können am Score knabbern. In trockenen Sommermonaten produzieren die seitlich abfallenden Bahnen sicher manch spannenden Trampolineffekt.

Die Anlage wird rege genutzt, deshalb empfiehlt sich unbedingt eine Startzeit. Die Reservierung kann telefonisch oder übers Internet erfolgen. Wegen der im neuen Namen diskret angedeuteten Höhenunterschiede und der zum Teil langen Passagen zwischen den Löchern sollten Sie eine Top-Kondition mitbringen oder eines der vergleichsweise preiswerten E-Carts mieten. Im Cartpreis ist übrigens ein Softdrink enthalten, obwohl der eigentlich eher erschöpfte Fußgänger erfrischen müsste.

Apropos Drink: Fürs Restaurant blieb mir zu wenig Zeit. Das müssen Sie dann selber testen.

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