Foto: Golf Club Föhr.

Golf Club Föhr

Buddeln, Buggy, Bunker. Der erste Urlaub mit dem kleinen krabbelnden Nachwuchs steht an. Stundenlang im Flugzeug sitzen? Wohl kaum. Bye, bye ihr schönen exotischen Golfziele für die nächsten Jahre. Wohin soll‘s gehen? Nordsee? Na meinetwegen. Nach Föhr? Gern, mein Schatz! Soll es da nicht einen Golfplatz geben?

Leinen los!

Neben Buddel-Equipment und Buggy landet so ganz zufällig das leichte Travelbag auf der Fähre der „Wyker Dampfschiffs-Reederei“ von Dagebüll nach Wyk. Leise gleiten wir in den Hafen und der Urlaub beginnt. Über die Beliebtheit der Insel bei erholungssuchenden Familien konnte ich mich im Netz vorab ausgiebig vergewissern. Aber den Golf Club Föhr, den entdecke ich jetzt selbst. Erfahrungen aus erster Hand.

Besuch beim 90-Jährigen

Ist ein Club, der 1925 gegründet wurde, überhaupt etwas für mich? Ich mag es locker und sportlich – also lieber modern als antik. Doch hoppla, das sieht hier ja richtig nett aus. Im schnieken Sekretariat empfängt man mich freundlich. Alles ist hell und neu, es riecht sogar noch ein bisschen nach frischer Farbe. Eine Startzeit? Nein, die braucht man hier nicht. Zwischen zehn und elf kann es in der Saison mal voll werden, aber sonst sind Wartezeiten hier die Ausnahme. Zu meinem Glück treffe ich auf den sympathischen Clubmanager Florian, den ich vor Jahren mal auf der GolfRange in meiner Berliner Heimat kennengelernt habe. Seit einiger Zeit ist er nun Insulaner. Er hat Zeit und Muße und gibt mir bei einem Kaffee viele Hintergrund-Infos über den Club. Der Platz ist in den letzten Jahren massiv um- und ausgebaut worden. Dem Golfer stehen drei 9-Löcher-Schleifen zur Verfügung, die nach Gusto kombiniert werden können. Die Farben Gelb, Rot und Blau, die die einzelnen Loops symbolisieren, sind die Farben Frieslands, lerne ich, und sie finden sich auch im Vereinslogo wieder. Nett!

Schottisch Golfen in Nordfriesland

Besonders stolz ist man hier auf die Bauweise, die den schottischen Links-Courses nachempfunden wurde. Der Golfplatz­architekt Christian Althaus hat sich hier auf Wunsch des Clubs „austoben“ dürfen und so kann man schon von der Clubhausterrasse erahnen, was auf den Spieler wartet. Jetzt werde ich aber langsam ungeduldig. Ich muss raus. Die Familie hat mich ja schließlich zunächst nur für neun Löcher „freigestellt“. Auf Ratschlag von Florian wähle ich den gelben Platz, da hier seiner Meinung nach die beste Mischung aller vorhandenen Bahnen gegeben ist. Bahnen im Wald und Bahnen, die ungeschützt dem Wind und Wetter ausgeliefert sind. Ich habe Glück – heute ist es sonnig und windstill.

Natur pur und nette Menschen

Als ob die Fauna heute mit mir gerechnet hätte, kreuzen bereits auf der ersten Bahn ein Reh, ein Fasan und ein Hase meine Spiellinie. Mit mir im Flight spielt Hans. Er ist Mitte 60, wohnt in Hamburg und kommt „seit er denken kann“ regelmäßig nach Föhr. Natürlich hat die Familie hier auch ein kleines Häuschen. Damit ist Hans ein typisches Mitglied des GC Föhr. Von Florian hatte ich erfahren, dass rund zwei Drittel der 900 Mitglieder vom Festland kommen.

Mit Hans habe ich den perfekten Flightpartner gefunden. Er kennt jede Ecke und Tücke und versäumt es nicht, mich regelmäßig auf die Schönheit des Platzes und kleine botanische Besonderheiten hinzuweisen. Den ballfressenden Topfbunker direkt vor dem sechsten Grün hatte ich allerdings schnell selbst entdeckt. Ein wahres Monster, das annähernd jedem zu kurz gebliebenen Ball ein Plätzchen zum kurzen Verweilen bietet. Grrr! Auf der nächsten Bahn wartet der Platz mit einem witzigen Element auf – einem Doppelgrün gemeinsam mit der Bahn 1. Nachdem man das kurze Déjà-vu („War ich hier nicht vor Kurzem schon mal?“) verarbeitet hat, spielt es sich locker zurück zum Clubhaus. Immer begleitet von wunderschönen Fairways, herausragenden Grüns, zackigen Geländeformationen, Sand, Brachen und fröhlich zwitschernden Vögeln.

Mitglied für einen Tag

Nach unserer schnellen Runde lassen Hans und ich uns glücklich auf die bequemen Gartenmöbel der Clubhausterrasse fallen. Ein kühles Blondes und ein schnelles Schnitzel müssen noch sein. Bestellt wird – wie in alt eingesessenen Clubs noch oft üblich – per bereitliegendem Block. Die Gäste an den anderen Tischen grüßen freundlich. Es sind überwiegend Mitglieder und ein paar Urlauber so wie ich. Die offene Art der Mitglieder zeigt ihre Wirkung: Ich fühle mich schon jetzt wie ein Mitglied auf Zeit. Um diesem Gefühl Nachdruck zu verleihen, mache ich beim Gehen einen kurzen Schlenker ins Sekretariat und kaufe mir eine 10er-Greenfeekarte. Sie ist sogar mit der Familie abspielbar und zwei Jahre gültig. Das schaffe ich. Nun aber zurück zum Anhang. Mein golferisches Schätzchen sehe ich ja schon bald wieder!

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