Wer rastet, der rostet …

Wie körperliche Aktivität hilft, ohne physische Einschränkungen das Rentenalter zu genießen, erfuhr die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) zum „Tag der Senioren“ am 21. August von Sportwissenschaftler Professor Dr. Ingo Froböse.

Deutschland, das Land der Rentner – 2060 wird, dem aktuellen Demografiebericht der Bundesregierung zufolge, bereits jeder Dritte 65 Jahre und älter sein. Fit, mobil und finanziell abgesichert – statt der Ofenbank ist bei den neuen Alten Aktivität und Engagement angesagt. Die 65- bis 85-Jährigen in Deutschland sind, wie die Generali Altersstudie 2013 belegt, deutlich gesünder, sportlich aktiver und mobiler als noch Mitte der 1980er Jahre und je besser ihr Gesundheitszustand, desto jünger fühlen sie sich. Sie führen mehrheitlich ein sehr aktives, abwechslungsreiches und selbstbestimmtes Leben. Der Erhalt der Gesundheit steht für viele im Mittelpunkt: 37 Prozent der Pensionäre treiben, der Generali Altersstudie zufolge, mindestens einmal pro Woche Sport, 21 Prozent sogar mehrmals, knapp die Hälfte (44 Prozent) immerhin gelegentlich. Selbst bei den 75- bis 79-Jährigen ist noch jeder Dritte regelmäßig sportlich aktiv, von den 80- bis 85-Jährigen noch ein Fünftel (22 Prozent). „Sport hat heute einen anderen Stellenwert als vor 20 Jahren“, so Sportwissenschaftler Dr. Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er betont, wie wichtig es ist, in Bewegung zu bleiben, allerdings sei die Umsetzung noch sehr ausbaufähig: „Oft kann regelmäßige Aktivität körperliche Beschwerden beheben. Stattdessen wird aber häufig eine Tablette genommen, was aber nur die Ursache bekämpft. Sport kann in vielen Fällen präventiv wirken, ein aktiver Lebensstil schon früh Krankheiten vorbeugen.“

Gesund altern

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Funktionen des Körpers: Die Muskelmasse nimmt ab (ab 60 Jahren um etwa drei Prozent pro Jahr), der Fettanteil des Körpers steigt, die Leistungsfähigkeit und koordinative Fähigkeiten verringern sich, der Stoffwechsel, Regulationsmechanismen wie Blutzucker und Blutfette ändern sich. „Diesen Veränderungen kann mit gesteuerter und regelmäßiger Bewegung entgegengewirkt werden“, so Professor Froböse. „Ausdauertraining hält die Gefäße fit und jung, die Durchblutung des Gehirns wird angeregt, was Alterungsprozessen im Hirn vorbeugt, Koordinationstraining fördert das Nerv-Muskel-Zusammenspiel und macht sicher im Alltag!“ Der Gesundheitsexperte empfiehlt ab 60 Jahren 4 bis 5 Mal pro Woche ein 10 bis 20-minütiges Muskeltraining, 3 Mal 45 bis 60 Minuten Ausdauertraining und 1 Mal ein 20-minütiges Koordinationstraining.  „Es gibt aber keine Wunderformel, die ein genaues Pensum vorschreibt. Die gewählte Aktivität sollte den speziellen Bedürfnissen angepasst sein“, so Professor Froböse. „Mit einem ausgewogenem Training von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination erhält man sich bis ins hohe Alter die Selbstständigkeit und Mobilität.“

Sport im Freien beliebt

Laut einer Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV)* bevorzugen drei Viertel der Senioren sportliche Betätigungen an der frischen Luft. Sportarten wie Schwimmen, Nordic Walking, Radfahren und Golf sind gerade auch für Ältere ab 60 Jahren ideal. Schwimmen verbessert die allgemeine Fitness, denn die Bewegung im Wasser fordert den ganzen Körper. Ausdauer und Herz-Kreislaufsystem werden ge-stärkt, die Muskeln des gesamten Körpers auf schonende Weise trainiert. Auch Nor-dic Walking ist empfehlenswert, denn die leichten Stöcke sorgen dafür, dass neben den Beinen auch der Oberkörper aktiv beteiligt ist. Golf wird als verletzungsarmer, gelenkschonender und moderater Sport von den Senioren geschätzt: 59 Prozent der organisierten über 639.000 Golfer in Deutschland sind dem Deutschen Golf Verband zufolge 51 Jahre und älter. „Ob allein oder mit mehreren: Golf lässt sich unabhängig von Geschlecht und Geldbeutel optimal auch im hohen Alter ausüben“, so VcG-Geschäftsführer Marco Paeke. „Auch wenn Golf nach wenig Bewegung aussehen mag: Eine 18-Löcher-Runde hat es in sich“, weiß Professor Froböse. „Die Bewegung fördert das Herz-Kreislauf-System. Zudem wird durch die Rotation im Oberkörper insbesondere der Rücken trainiert und beansprucht, eine Region des Körpers, die im Alter oftmals Probleme bereitet, wenn sie muskulär nicht gut ausgebildet ist. Anfänger sollten den Rücken durch zusätzliche Kraftübungen zu Hause vorbereiten.“ Während Schwimmen, Walken und Ähnliches schnell langweilig werden kann, ist das Spiel mit dem kleinen Ball und Golfschläger, je nach Tagesform, Platz und Mitspielern, immer wieder neu. Egal, für welche Bewegungsaktivität und -intensität man sich entscheidet: „Anhaltende Vitalität ist das Ergebnis einer über die Jahre gepflegten Balance zwischen Ernährung und körperlicher Bewegung“, so Professor Froböse. Wer rastet, der rostet: Der „Tag der Senioren“ ist ein guter Anlass, in Schwung zu kommen.

*Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), 2011

Befragter Experte:
Professor Dr. Ingo Froböse, Sportwissenschaftler, Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sport-hochschule Köln, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung sowie Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewe-gungsorientierte Prävention und Rehabilitation sowie Autor und Co-Autor zahlreicher Bücher zum Thema Gesundheit, Ernährung, Sport.
Telefon 0221-4982-4790, Mail froboese@dshs-koeln.de, www.ingo-froboese.de

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