Von der Kühnheit, ein Golfer zu sein

Sie müssen ja nicht wie der Golf-Profi Cody Gribble einen Alligator mit der Hand vom Fairway vertreiben, aber Tapferkeit ist auch hierzulande beim Golfen nötig …

Golf und Mut, das gehört zusammen, spätestens seit dem Arnold Palmer Invitational in Orlando im März 2017. Am Rande des Fairways auf Loch sechs des Bay Hill Golfkurses lag damals ein Alligator und döste in der Sonne. Was tun? Für den texanischen Golf-Profi Gribble kein Problem: Mit den Händen in den Hosentaschen spazierte der 26-Jährige gemächlich von hinten an das Tier heran und gab ihm mit der Hand einen Klaps auf den Schwanz. Der erschrockene Alligator flüchtete ins angrenzende Wasserhindernis. Man mag von Gribbles Aktion halten, was man will, aber irgendwie (todes-)mutig war sie schon.

Hierzulande haben Golfer es dagegen eher mit menschlichen Alligatoren zu tun. Wer schon einmal, in fremder Runde nach seinem Hobby befragt, selbstbewusst den Golfsport genannt und betretenes Schweigen oder verbales Zähnefletschen geerntet hat, weiß, wovon ich rede. Es erfordert bisweilen immer noch eine gewisse Furchtlosigkeit, als bekennender Ausübender einer als elitär verschrienen Randsportart öffentlich zu seiner Golf-Leidenschaft zu stehen. Und selbst im familiären Umfeld ist das nicht immer leicht. Ein fröhliches „Ich gehe golfen“ wird von ungnädigen Ehemännern gern mit Missmut bestraft und die enttäuschten Gesichter der Kinder lassen sämtliche Ambitionen der golflustigen Mutter nahezu auf der Stelle im Keim ersticken. Hat man es dennoch geschafft, wacker zu seinem Vorhaben zu stehen, die sperrige Ausrüstung aus dem dunklen Keller ans Tageslicht zu holen und sich beherzt auf den Weg ins Grüne zu machen, kann man sich schon recht draufgängerisch fühlen.

Auf dem Golfplatz wird der Mut zum Golfersein optisch offensichtlich: Golfer tragen, auch im Hochsommer, selbstbewusst einen und nur einen Handschuh, was für Außenstehende komisch anmutet. Besonders tollkühne Golfer sind auch in puncto Farbigkeit und Aussehen ihrer Restkörper-Bekleidung offenbar zu allem entschlossen. Der Golfer an sich setzt nicht nur mit seiner Kleidung selbstbewusst ein Statement, er hat auch die Traute, immer wieder neue Plätze zu erkunden, sich unbekannten Herausforderungen zu stellen und sich durch Misserfolge nicht entmutigen zu lassen. Unverzagt bieten Golfer dabei der heimischen Insektenwelt Paroli: Stechmücken, Bremsen, Wespen, Zecken und sonstiges Getier vermögen einen echten Golfer nicht zu stoppen. Selbst Regenwürmer, Gänse und Hasen auf dem Fairway nicht. Forsch bietet der Golfer zudem den meteorologischen Gegebenheiten die Stirn und geht selbst bei Regen und Unwetterwarnungen unerschrocken auf die Runde, notgedrungen auch mit wildfremden Flightpartnern, was sich als nervenaufreibende Mutprobe entpuppen kann.

Golfer sind bravouröse Rasenkämpfer, die den Schneid haben, Bälle in unendliche Weiten zu hauen und darauf zu vertrauen, sie wiederzufinden. Bisweilen verschlagen sie mit dem Mut zum Risiko (oder zur Blamage) auch tapfer den oder anderen Ball und steigen dann auf der Suche nach demselben kühn ins tiefste Rough, wenn es sein muss auch auf einen Baum. Golfer messen auf ihren Runden und Turnieren heroisch ihre Kräfte und jagen couragiert einem besseren Handicap hinterher. Manch einer zeigt hierbei den Mumm zum Bluff, aber wehe, wenn er beim Tricksen erwischt wird. Und ist die Clubgastronomie, was selten vorkommt, zu schlecht, so beweist der Golfer nach der Runde eine kulinarische Unerschrockenheit, von der sich andere Sportler eine Scheibe abschneiden können;

 

So betrachtet sind Golfer die mutigsten Sportler überhaupt – finden Sie nicht auch?

Ich bin jedenfalls stolz darauf, einer von Ihnen zu sein!

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