Musik sorgt für Schwung beim Sport

Melodien für Millionen: Musikwissenschaftler Dr. Yves Cloos verriet der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG), warum viele Menschen beim Sport auf musikalischen Support setzen.

Egal ob beim Golf, Fußball, Tennis oder Basketball – Musikhören gehört längst zum Alltag vieler Sportler. Sie nutzen die Musik zum Beispiel als Emotionsmotor – quasi als legales Doping zur Leistungssteigerung: „Musik wirkt sich positiv auf den Körper aus“, bestätigt Musikwissenschaftler Dr. Yves Cloos von der TU Dortmund. „Sie kann den Sportler motivieren und beruhigen. Es kommt aber auf die Art der Musik an und wie sie eingesetzt wird.

Die richtige Zeit für Musik

Menschen neigen dazu, auf Rhythmen zu reagieren. Melodie und Harmonie der Musik prägen die Stimmung – und das wirkt sich auch beim Sport treiben aus. „Es gibt diverse Untersuchungen zum Thema Ballsport und Musik“, so Cloos. „Aus diesen Studien lässt sich ableiten, dass Musik in der Vorbereitungs- und Aufwärmphase optimal passt. Hier kann sie, je nach Zustand des Spielers, aktivieren oder beruhigen. Auch in den Pausen kann sie ähnlich wirken.“ Viele Profi-Sportler benutzen bewusst Musik, um sich vor der sportlichen Herausforderung von äußeren Einflüssen abzuschotten und auf das bevorstehende Spiel zu konzentrieren. Musik vesetzt sie in positive Stimmung, puscht auf oder beruhigt, verringert das körperliche Belastungsempfinden und treibt zu sportlicher Leistung an.

Beim Golfsport zum Beispiel wechseln sich Phasen sehr hoher Konzentration mit Entspannungsphasen beim zügigen Gehen zum nächsten Schlag ständig ab. Gerade hier ist der Einsatz von Musik entscheidend. Wird sie zur falschen Zeit gehört, kann sie den Sportler ungewollt ablenken. Das Golf-Training auf der Driving Range mit dem Hören von Musik zu kombinieren, kann sich durchaus positiv auf das Trainingsergebnis auswirken. Während eines Spiels auf dem Platz oder bei einem Turnier können Geräusche aber auch hinderlich sein und stören, weiß Dr. Yves Cloos: „In wichtigen Konzentrationsphasen würde die Musik zu sehr ablenken und sich unter Umständen negativ auf das Spielergebnis auswirken.“ Aus diesem Grund ist Musik während eines Golf-Turniers nicht erlaubt.

Auf dem Golfplatz war Musik vor gar nicht langer Zeit generell noch undenkbar. Heute ist sie jedoch, dem Online-Magazin „Golfpost“ zufolge, für immer mehr Golfprofis ein unverzichtbarer Teil ihrer Aufwärm- und Trainingsrunden. Einige der weltbesten Golfer haben, so das Fachmagazin, auch während ihrer Aufwärmrunde vor großen Turnieren noch die Kopfhörer im Ohr und die Musik gehört zu ihrer Vorbereitung: Sie  nutzen ihre Lieblingslieder, um sich zu entspannen und die nötige Konzentration zu erreichen oder versuchen, mit bestimmen Liedern den richtigen Rhythmus für ihren Schwung zu finden.

Beim Training: Ohren auf!

So unterschiedlich Musik auf den Spieler wirken kann, so verschieden sind auch die Arten der Musik, die man einsetzen kann: Der Weltranglistenerste Rory McIlroy nutzt, der „Golfpost“ zufolge, für die Abschottung von der Außenwelt unter anderem “Wake Me Up” von Avicii und Aloe Blacc,“Can’t Hold Us” von Macklemore und Ryan Lewis sowie “Sweet Nothing” von Calvin Harris – also sehr rhythmische und eher elektronisch unterstützte Songs, die er über Kopfhörer hört. Vijay Singh dagegen summt bestimmte Musikstücke während seiner Turnierrunden, so die „Golfpost“. Er fände damit den nötigen Rhythmus und sein Schwung sei dadurch beständiger. Von Rickie Fowler ist bekannt, dass er Musik zur Konzentration nutzt. Golfprofi Martin Kaymer setzt auf klassische Musik und langsame Kompositionen, während sich LPGA-Proette Michelle Wie dagegen überwiegend für Rap und Reggae-Musik begeistert.

Klassik oder Pop – Wirkung und Geschmack entscheiden

Was man hören möchte, muss jeder für sich bestimmen. Generell ist aber doch der klassischen Musik eher eine entspannende Wirkung zuzuschreiben, ideal zum Beispiel für das Golfen, Heavy Metal, Hardrock und Rap dagegen pushen und eignen sich eher für den Kraftsport, Swing, Samba und Pop motivieren bei schnellen Bewegungen, wie zum Beispiel dem Joggen. Generell gilt: Beim Sport wirkt sich Musik auf Puls und Atmung aus und treibt an, wenn sie nicht zu langsam ist.

Wer allerdings zu schnelle Musik hört, kann sich rasch aus der Puste bringen und überfordern. Atmung und Bewegungsablauf sollten deshalb immer kontrolliert werden. Langsame Melodien haben einen eher beruhigenden Effekt und eignen sich zum Beispiel gut für das Golftraining, da beim Golfen nicht ständig wiederkehrende rhythmische Bewegungen vollzogen werden.

„Man muss sich selbst insbesondere fragen, ob einen die Musik fokussieren, antreiben oder ablenken soll,“ sagt Dr. Yves Cloos. Und natürlich ist es auch von Vorteil, wenn man die Musik selber mag. Lieblingslieder schütten Endorphine im Körper aus, geben neue Kraft und vertreiben Schmerzen. „Die Song-Auswahl sollte aber auch regelmäßig geprüft und ausgetauscht werden, denn die positiven Effekte des Musikhörens lassen nach, je besser man die Musik kennt und je öfter man sie hört,“ empfiehlt Cloos.

[zur Startseite]          [zum Newsroom]