Mit Liebe ausgesucht

Mein Göga (Göttergatte) hat Geburtstag. Diese rein biologisch gesehen korrekte Tatsache lässt mich, die Gögaga (Göttergattengattin), buchstäblich völlig gaga werden, denn natürlich erwartet der Mann des Hauses ein ihm angemessenes Geschenk. Gut, dass es den Golfsport gibt …

Nach 20 Jahren Beziehung ist das Schenken kein leichtes Unterfangen mehr. 20 Jahre Zweisamkeit, das bedeutet 20 Ehemann-Geburtstage plus 20 Weihnachtsfeste plus mindestens 20 Valentins- und sonstige Feiertage, sprich Geschenkgelegenheiten. Vor allem in den Anfangsjahren waren diese Anlässe noch Initialzündungen für höchst kreative, mit viel Liebe aber oft mühevoll bis spät in die Nacht heimlich selbstgebastelte Geschenke, aber das ist lange her.

Dann folgte mit zunehmender Betagtheit des Jubilars und der Geschenkgeberin eine ausgeprägte Gutschein-Phase. Geschenkt wurden häufig kulturelle oder kulinarische Ereignisse vom Kochkurs über das Klavierkonzert bis hin zur Klangschalen-Meditation. Doch auch das ging nur ein paar Jahre gut, dann war alles viel zu anstrengend für Monsieur und es wurde Zeit für handfeste Technik: Von der Wetterstation über das Tablet bis zum Blutdruckmessgerät – plötzlich freute Mann sich über alles Nützliche, vorausgesetzt es war keine gemeinsame Aktion mit der Frau damit verbunden. Sei’s drum.

Mittlerweile ist der Bedarf an technischen Geräten gesättigt. Der Mann, befragt nach seinem Geburtstagswunsch, blickt ratlos über den Rand seiner Lesebrille. Bloß keinen Gutschein, nichts Essbares und auch nichts Technisches, verlangt er. Einen heißen Tipp für eine Alternative hat er aber nicht parat. Na „toll“. Innerlich laufe ich Amok und überlege kurzzeitig, mich selbst mit der Ehe-Freiheit zu beschenken, eine bisweilen äußerst verlockende Option.

Kurz vor dem Komplettkollaps besinne ich mich meiner Freundinnen und starte eine Blitzumfrage bei den ebenfalls in Langzeitbeziehungen steckenden Leidensgenossinnen. Biggi hat den entscheidenden Tipp: Schenk ihm doch einen Golf-Platzreifekurs, und zwar die Intensiv-Variante. Da ist er ein Wochenende 14 Stunden lang nicht auf dem Sofa, sondern auf dem Golfplatz. Tankt frische Luft, powert sich aus, bewegt sich gelenkschonend, kommt dennoch in Schwung und lernt eine neue Sportart kennen. Eine Idee, ebenso erfrischend wie ideal, denn mit etwas Glück kommt der Göga auf den Geschmack und bleibt anschließend am Ball. Bahn frei für Prosecco-selige Frauen-Frühstücke oder gemütliche Kuchen-Kaffeekränzchen, während „Schatzi“ auf dem Golfplatz mit wehendem Grau-Haar seine Runde dreht und anschließend im Club-Haus versackt. Welch grandiose Aussicht!

Ein Pack Golfbälle, Tees und ein Golf-Handschuh sind schnell besorgt und werden am Ehrentag feierlich mit der Ankündigung einer Wochenend-Überraschung überreicht – so einfach kann schenken sein. Der Mann guckt leicht irri-, aber auch interessiert. Zwei Wochenenden später lade ich ihn pünktlich zum Kursbeginn beim Golfplatz ab und düse zum Shopping. Ich bin entzückt und der Göga, wie sich später herausstellt, beglückt: Die 14-Fraufreie-Golflern-Stunden haben auch ihm Spaß gemacht.

Wenn alles gutgeht, bekommt er von mir nächstes Jahr zum Geburtstag eine mindestens einwöchige Golfreise – natürlich nur für eine Person, er soll sich ja erholen – irgendwohin wo es sonnig ist. Hauptsache weit weg von zu Haus.

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