Gute Vorsätze

Unfassbar: Schon wieder ist der Oktober da und das Saison-Ende nah und ich frage mich bestürzt, was ist aus meinen guten Vorsätzen für 2017 in puncto Golf geworden? Die meisten sind im Laufe des Jahres auf der Strecke, sprich alles ist beim Alten geblieben, übrigens ein wissenschaftlich bewiesenes Dilemma. Doch die nächste Saison kommt bestimmt und ich habe da eine Idee …

Um Vorsätze in unserer anderthalb bis vier Millimeter dicken Gehirnrinde zu fassen, brauchen wir Motivation, und davon haben wir unendlich viel, sagt der Freiburger Psychologen Hans-Georg Willmann. Aber was ist mit der Umsetzung?  Gut ist: Vorsätze sind nicht nur Neujahr möglich. Bei mir ist immer der Frühling die Zeit des Aktionismus. Wenn im März die Sonne ans Fenster klopft, sprießen meine Golf-Pläne wie Frühblüher. Ja, golfen will ich dieses Jahr sowie auf der Driving Range göttliche Bälle raushauen und die schönsten Chips und Pitches auf der Übungsanlage abliefern, und das jede Woche mindestens einmal.  Das ist doch nicht zu viel verlangt.

Ist es doch! Denn jedes Jahr ist die Saison schneller zu Ende als ich golfen kann. Wieso? Sich hochmotiviert eine schöne Zukunft ausmalen, das strengt nicht an und kann jeder, weiß Willmann. Die Willensbekundung formuliere man im Gegensatz zu einem Ziel zwar voller guter Hoffnung, aber ohne Erfüllungsdatum, ohne genauen Plan und vor allem ohne Bedenken der Probleme. Dass Vorhaben scheitern, liege zudem an der begrenzten Willenskraft. Meine Willenskraft wird von der Realität hart ausgebremst, vor allem von der golfunfreundlichen Familie.

Es nützt auch nichts, dass ich mein Golf-Pläne, wie Psychoanalytiker Hans-Werner Rückert empfiehlt, mit positiven Gefühlen verbinde. Die Gegenwart ist Schwarz nicht Grün: Das quengelnde Kind am Hosenbein und der schmollende Ehemann in der Sofaecke lassen schlagartig alle Golf-Ambitionen vergessen. Schön, dass Rückert findet, ein gewisses Maß an Unzufriedenheit gehöre zum menschlichen Leben dazu. Dass wir alles erreichen können, wenn wir es nur wollen, sei Quatsch, sagt der Experte –  ich ergebe mich also meinem Schicksal und spiele auf Zeit.

Künftig werde ich meine guten Vorsätze auf mehrere Saisons verteilen, denn: „Es dient dem Selbstwert, zu sagen, ich arbeite noch an etwas, statt zu sagen: Ich werde nie damit fertig, ich bin daran gescheitert“, so Rückert. Wir sehen uns auf dem Fairway, aber bitte fragen Sie nicht, wann.

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