Grün statt Schwarz sehen

Ich gestehe es: Ich habe den Blues, und zwar den Winterblues. Das ist nicht nur tragisch, sondern auch verständlich: Seit Wochen folgt ein trüber Tag dem nächsten. Ein Grau in Grau, häufig mit Matsch und Kälte. Die Sonne hat offensichtlich Urlaub – es ist zum Durchdrehen.

Schwarz statt Grün sehen. Foto: Becky Stares / Shutterstock.comUnd ich drehe nicht alleine durch: Jeder vierte Deutsche leidet aufgrund des mangelnden Sonnenlichtes am Winterblues, so das Internet. Unbändige Lust auf Süßes, Fettes und Kohlenhydrate, schlechte Laune, starkes Schlafbedürfnis und Antriebslosigkeit inklusive. „Toll“ – Herbst und Winter machen also nicht nur lahm, sondern auch noch dick? Da muss man ja saisonal depressiv werden! Ein Schicksal, das in der Tat zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung ereilt.

Im November geht es immer noch halbwegs. Da wirkt die Golfsaison nach, die letzten schönen Runden in der Herbstsonne – herrlich! Eine ganze Weile schaffe ich es noch, den Winterblues tapfer wegzulächeln. Ablenkung genug, wenn auch wenig Zeit und Wetter fürs Golfen, bietet auch die Weihnachtszeit, aber wenn im Januar der graue Alltag wieder einkehrt, dann platzt der Blues mit Brachialgewalt in mein Leben und schlägt mich gnadenlos k.o.: Spätestens jetzt macht mir gar nichts mehr Spaß. Ich sehe nur noch Schwarz statt Grün. Fürchterlich!

Ab März wird es besser, weiß das Internet. Bis dahin vegetiere ich als aschfahler, futternder Zombie in meinen vier Wänden vor der Tageslichtlampe und nerve meine Familie sowie vor allem mich selbst. Ich breche nicht nur beim Blick auf die Waage und in den Spiegel, sondern auch beim Anblick der verstaubenden Golfschläger in Tränen aus und hocke herum wie ein fetter Klops im Hamster-Rad, zu antriebslos, um es in Gang zu setzen. Jämmerlich!

Bevor ich im Selbstmitleid ertrinke, steht zum Glück meine Golffreundin Gerda plötzlich vor der Tür. „Runter von der Couch. Jetzt wird gegolft“, schmettert sie mir fröhlich entgegen. Wie eine Kampfansage. Widerspruch zwecklos. Zu kalt, zu früh dunkel, zu trüb, zu wenig Lust? Zählt alles nicht! „In netter Begleitung macht Golfen immer Spaß, auch im Januar“, sagt Gerda – und tatsächlich: Mit jeder Bahn, die wir spielen, geht innerlich bei mir die Sonne ein Stück mehr auf. Ich kriege schlagartig neuen Schwung und bin nach der Runde regelrecht betrunken vor Glück.

Laut Glücksforschung stimmt es Menschen froh, wenn sie in Gesellschaft sind, mit anderen kommunizieren, ihren Hobbys nachgehen und Sport treiben. Aktiv bleiben helfe gegen die Schlechtwetterlaune. Wie wahr! Für mich steht jedenfalls jetzt fest: Vom Winterblues lass ich mir nicht länger auf der Nase herumtanzen – den schlage ich dank Gerdas Hilfe ab sofort mit meiner „Big Bertha“ in die Flucht! Und die blöde Tageslichtlampe gleich hinterher.

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