Golfen mit dem Sohn: Wenn Versagen zum Vergnügen wird!

Ich dachte immer, wenn die Kinder älter sind und ohne Windel, Schnuller, Dinkelstange und Sandmännchen auskommen, wird alles leichter. Jetzt ist mein „Kleiner“ zwölf Jahre alt und neue Abgründe tun sich auf – vor allem wenn ich als Mama die glorreiche Idee habe, mit dem Sohnemann golfen zu gehen.

Golfen mit dem Sohn.Die Sonne scheint, mein Golferherz lacht und der Junior hängt auf dem Sofa rum. Mein fröhliches "Komm, wir gehen endlich mal wieder Bälle schlagen" ignoriert das vorpubertierende Kerlchen gekonnt. Die Ich-stell-mich-tot-Taktik. Kenne ich schon. Zeit für Stufe 2: Auf die Pelle rücken, Smartphone aus der Hand reißen – geht doch. Plötzlich habe ich seine Aufmerksamkeit. "Golfen? Naaaaa guut" – gnädig stimmt er zu. Das Wetter ist wohl zu schön für einen Ich-hab-keinen-Bock-auf-gar-nichts-Anfall. Ich jubiliere.

Wir sausen zum Golfplatz. Sohnemann scheint seinen Mund zu Hause gelassen zu haben. Unterhalten geht jedenfalls nicht. Also drehe ich das Radio lauter und singe fröhlich Schlager mit, bis der Youngster mir genervt "Du bist sooooo peinlich, Mama!" an den Kopf wirft. Leicht verspannt erreichen wir den Clubparkplatz. Kaum ausgestiegen macht der Jungmann jetzt auf cool – und versucht, möglichst viel Abstand zwischen das dicke, faltig-alte, grauhaarige "Ding", also mich, und sich zu bringen. Sind alle 12-Jährigen so? Ist alles nur eine Phase, beruhige ich mich. Immer locker bleiben, Mama, und das Lächeln nicht vergessen!

Wenig später stehen wir tatsächlich endlich auf der Driving Range. Glücklich strahle ich meinen Sohn an, aber der hat jetzt seine Sonnenbrille auf der Nase und ist schon dabei, seinen ersten Ball aufzuteen. Seine Mama interessiert ihn NULL. Lässig holt er aus – und legt einen sensationellen Abschlag hin. Und noch einen. Und noch einen. Hat der Stubenhocker etwa heimlich trainiert? Ich bin irritiert.

Ich habe nicht nur deutlich mehr Jahre, sondern auch mehr Trainerstunden auf dem Buckel, rede ich mir selbst gut zu – und erlebe dennoch bei meinem ersten Abschlag ein Desaster. Nichts, aber auch gar nichts, klappt. Vom Sohnemann ernte ich mitleidige Blicke und blöde Kommentare. Mein Versagen macht ihm Spaß. Wenigstens redet und lächelt er jetzt! Nun denn.

Doch plötzlich wendet sich das Blatt: Bei ihm geht nichts, dafür bei mir umso mehr. Auf jedes seiner Kullerbällchen folgt ein Superschlag von mir – und dann wieder umgekehrt. Freud und Leid liegen beim Golfen eben nah beieinander. Am Ende sind wir quitt und trinken im Clubhaus eine Versöhnungsbrause.

Auf dem Rückweg zum Auto fasst er wie früher meine Hand. Und plötzlich ist er wieder zwei und nicht zwölf Jahre alt und der Alltagsärger weit weg – Golf sei dank!

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