Glücksspiel

Beim Frühjahrsputz fiel mir abgesehen von viel Schmutz auch eine alte Zeitschrift in die Hand, die Unglaubliches verkündete: Irische Wissenschaftler haben, so stand es da, offenbar herausgefunden, dass probiotischer Joghurt glücklich mache. Die stimmungsverändernden Bestandteile in den lebenden Joghurtbakterien förderten die Bildung von Glücksbotenstoffen. So, so! Da habe ich also wahre Gute-Laune-Booster im Kühlschrank und ahne nichts davon …

Glücksspiel. Foto: VcG.Egal ob mit Frucht oder pur: Ich betrachte Joghurt plötzlich in einem anderen Licht, quasi mit einer gewissen Skepsis. Denn Feel-Good-Effekt hin oder her, irgendwie finde ich die Vorstellung von Psycho-Bakterien in der probiotischen Joghurt-Masse nicht gerade appetitlich. Außerdem fehlt in der Meldung ein Hinweis, wie viele der kleinen Becher ich leeren muss, um happy zu werden. Mit einem ist es doch wohl kaum getan, oder? Für Leute mit Laktoseintoleranz unter Umständen ein windiges Vergnügen.

Nein, ich gebe gedanklich den Löffel ab. Es muss doch auch einen weniger cremigen Weg zur Glückseligkeit geben. Der Begriff „Glück“ liefert mir über 90 Millionen vielversprechende google-Sucherergebnisse in 0,44 Sekunden. Von Tipps, Definitionen, Spruchweisheiten bis hin zum aktuellen Glücksatlas, der die glücklichsten Menschen Deutschlands in Schleswig-Holstein verortet: Rund ums Frohsein ist online allerhand zu finden. 

Ich bleibe bei einer aktuellen Umfrage des Statistischen Bundesamtes hängen, die belegt, dass für  89 Prozent der Deutschen die „Gesundheit“ an erster Stelle der Glücklichmacher steht. 79 Prozent beantworten die Frage „Was macht Menschen glücklich“ mit „die Partnerschaft“, sehr viel weniger behaupten das von „Beruf“, „Familie“ und „Geld“. „Essen“ fehlt gänzlich. Seltsam! Ich google weiter und stoße auf „Sieben einfache Tipps zum Glücklichsein“ von Dominik Bode. Dankbarkeit für das, was man hat bzw. kann, und sich nicht immer mit anderen zu vergleichen, das reiche oft schon zum Glück, schreibt er. Im Jetzt präsent zu sein, statt sich die Zukunft schlecht auszumalen oder über Vergangenes nachzugrübeln, einfach zu akzeptieren, dass das Leben Höhen und Tiefen habe, das sei der beste Weg zum Glücklichsein, betont der Coach. Daran werde ich in Zukunft denken, vor allem auf der nächsten Golfrunde ... 

Wer auf der Runde und Range flucht, zetert und hadert, schmälert demnach das Glückspotenzial des Golfsports. Und das ist nachweislich da: Ich kenne eine Studie, die bestätigt, dass schon allein das Golfen an sich happy macht. Joghurt löffeln und Glücksratschläge lesen ade. Ich gehe mich jetzt glücklich golfen!! Ist doch viel besser als der Frühjahrsputz.

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