Freischwinger

Oh wei, die Golfer machen Nackidei – wussten Sie, dass es an der südlichen Atlantikküste Frankreichs in der Nähe von Bordeaux den weltweit einzigen FKK-Golfplatz gibt? Eine neun Hektar große 6-Löcher-Anlage, auf der ‚Mann‘ nicht nur die Seele baumeln lassen kann. Wusste ich nicht – jedenfalls nicht bis gestern …

Freischwinger. Foto: Tomacco / angkrit / shutterstock.com.Als ich gestern Morgen müde in den Supermarkt tapste, begegnete ich einer fernen Bekannten, die für ihren Wortdurchfall gefürchtet ist. Zu spät, schon hatte mich „Schnatterinchen“ am Käse-Regal in die Enge getrieben. Mit leicht geröteten Wangen aber einem irgendwie stolzem Funkeln in den Augen, erzählte sie mir ungefragt, dass sie im besagten Paradies für Naturisten gerade den Golfurlaub ihres Lebens verbracht habe. Ob es an dieser Neuigkeit lag oder an dem immer stärker werdenden Käsegeruch, meine Spießerseele war jedenfalls der Ohnmacht nahe. Diese nicht nur wort- sondern auch hüftstarke Frau auf einem FKK-Golfplatz? Kreisch! Das war definitiv eine Information, die ich nie mehr vergessen werde. So sehr ich es mir auch wünsche.

Besagte Bekannte, nennen wir sie Paula, berichtete mir also mit Begeisterung, wie sie blank gezogen habe: Das Golfen im Ferienresort La Jenny im Kreis von lauter Freikörper-Freunden sei eine ganz neue Erfahrung, sozusagen das nackte Vergnügen gewesen. Während ich hochkonzentriert einen abgepackten Gouda betrachtete, plauderte Paula mich in Grund und Boden. Erst habe sie sich ja ein wenig geniert, aber dann voll darauf eingelassen – und schon kurz darauf sogar Gespräche mit anderen Nackten geführt. Wahnsinn, oder? Von der textilfreien Dame an der Clubrezeption bis hin zu den Golfern im Adamskostüm auf der Anlage und im Club-Restaurant – alle wären supernett und offen gewesen. Denn während man ja bei uns zum Beispiel in der Sauna öffentlich eher nicht den nackten Kontakt sucht, gehe es beim FKK eben völlig frei und ungezwungen zu. Der Freischwinger an sich, schwärmte Paula, sei äußerst kontaktstark. (Boden tu dich auf! – Mir wurde heiß).

Um nicht verklemmt dazustehen, versuchte ich mit einem „Ach ja!“ und einem zauberhaften Lächeln die Flucht zu ergreifen, doch Freikörperkultur-Expertin Paula hatte sich jetzt in Fahrt geredet. Offenbar hatte ich, die Pastorentochter aus Ostfriesland, ihren missionarischen Eifer geweckt. Paula war nicht zu bremsen: Echte FKKler würden es ja nicht nur lieben, Ballsport jeglicher Art auszuüben und sich dabei, wie in La Jenny, natürlich auch nach dem Ball zu strecken und zu bücken (die Käsebällchen im Regal neben mir schienen mich plötzlich anzugrinsen). Die Nudisten in La Jenny würden es zudem lieben, nichts außer Golf-Schuhen, einem Golfhandschuh und einer Kopfbedeckung zu tragen. So käme neuer Schwung ins Leben (und in diverse Körperteile, wie ich innerlich ergänzte).

Übelstes Kopfkino: In mir drehte sich schon alles, plötzlich erschien mir der Supermarkt mit seinen Stangenbroten, Bananen und Melonen völlig versext, aber Paula wurde nicht müde, die Vorzüge des besuchten textilfreien Ferienresorts herauszustellen. Die Driving Range mit 30 Abschlagplätzen, ein großes Putting Grün und viele andere Aktionsmöglichkeiten hatten die Vorstadt-Nudistin offenbar freudig erregt. Mir wurde schlagartig klar: Bei so viel Leidenschaft und Nacktheit im Spiel, hat sich die leidige Frage „Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?“ wirklich überholt. Schicken Sie die Witzereißer einfach nach La Jenny. FKK – wie drei Buchstaben alles verändern. Enorm!

Eine ganze Golfanlage voller nackter Pauls und Paulas? Da kann es doch nur sehr bewegt zugehen. Klingt gar nicht mal so uninteressant, ist aber trotzdem nichts für mich. Ich hatte genug gehört. „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden“ – mit diesem schlauen Spruch Friedrich des Großen stopfte ich Paula kurzerhand einen Stinkerkäse in den Mund und verließ den Laden. Zwar ohne Einkäufe, aber dafür jetzt sehr wach! Wahrscheinlich werde ich mir beim nächsten Golfspielen alle Leute nackt vorstellen…

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