Eiskalte Erkenntnis

Golfen macht glücklich – und Nicht-Golfen unglücklich. Wie wahr! Mit den Temperaturen sinkt meine Laune auf den Gefrierpunkt. Seit Wochen ist es draußen nass, kalt und trüb – meine Stimmung ist es mittlerweile auch, denn ich habe ein Problem: Ich komme nicht ins Spiel! Die letzte Golfrunde liegt gefühlte Ewigkeiten zurück.

Eiskalte Erkenntnis. Foto: bigredlynx / Shutterstock.com.Ich bin nicht nur eine Frau, sondern als Im-Mai-Geborene auch ein Herdentier, nämlich Sternzeichen „Stier“ und Träger dieses Sternzeichens, so weiß es das Internet, lieben grüne Täler und Wiesen, ihre Lieblingsfarbe ist Grün, sie gelten als ausdauernd, zäh, geduldig – und stur. Passt alles zu meiner Golf-Sehnsucht und mir, und deshalb ist jetzt Schluss mit lustig! Ich sehe rot! Ich will auf die Runde, und zwar mit viel frischer Luft, mit Trolley, Golfschuhen, weiten Abschlägen und kurzem Spiel, eben mit allem Drum und Dran, am Liebsten auch mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher, endlich wieder richtig golfen, aber – und das ist typisch Frau, typisch Stier und das Problem – nicht allein.

Wie das bei Frauen so ist, mache ich eigentlich alles am liebsten mit mindestens einer Freundin zusammen. Das reduziert allerdings in puncto Golf die Möglichkeiten enorm, denn ich habe nur zwei golfende Freundinnen, mit denen ich überhaupt losziehen könnte.

Ich will mich beim Golfen austauschen – wie 75 Prozent aller Frauen am liebsten über Neuigkeiten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis oder über Gefühle (für 47 Prozent der Frauen ein super Gesprächsthema, wie ich unlängst im Internet las). Ich will auf dem Golfplatz Spaß haben, lachen und nebenbei Bälle schlagen, kurzum mehrere Sachen gleichzeitig tun – so wie es Frauen eben können und lieben.

Ganz anders ist es bei den Männern: Sie können sich nur auf eine Sache konzentrieren und das ist dann eben das Golfen. Eine fröhlich-quatschende Begleiterin ist für sie eher ein Störfaktor als eine Bereicherung. Und wenn sie reden, dann mit großer Wahrscheinlichkeit über Sport, dem Lieblingsthema von 65 Prozent der Männer, und bloß nicht über Gefühle (darüber sprechen, so das Internet, nur 17 Prozent der Kerle gerne). Aus leidvoller Erfahrung weiß ich: Bei und mit Männern geht es auf dem Grün recht wortkarg und zudem verbissen zu. Laaaaaaangweilig!

Also, eine Mitspielerin muss her. Leichter gesagt, als getan. Jedes Mal wenn ich mit einer der beiden Golf-Freundinnen einen Termin ins Auge gefasst habe, kommt bei ihr etwas dazwischen. Mal ist es ein Infekt – wahlweise des Kindes, Haustieres oder Ehemannes –, mal haben sich kurzfristig Handwerker angekündigt, ein anderes Mal regnet es in Strömen und sie kneift, beim nächsten Mal hat es gefroren und der Platz ist gesperrt – es wird einfach nichts.

 

Und so streichen die Wochen ins Land. Der Herbst ist nahezu golflos an mir vorübergezogen, der November ebenso wie der Dezember. Zwischen den Golfschlägern hängen schon die ersten Spinnenweben. Klar, es gibt beheizte und überdachte Outdoor-Abschlagboxen, Golfsimulatoren, Indoor-Grüns für das Putten, Chippen und Pitchen sowie zahlreiche Online-Golf-Tutorials. Doch für mich sind das alles keine verlockenden Alternativen zu einer richtigen Runde.

Ich scharre mit den Hufen. Ich will jetzt in Schwung kommen, bei Wind und Wetter, und wenn keiner mit mir golfen geht, dann gehe ich eben allein. Wer in den Schmuddelwetter-Monaten nicht am Ball bleibt, läuft im Frühjahr den anderen hinterher – ha, dann lauft mal schön, ich bin schon unterwegs und einmal in Fahrt können Stiere ganz schön schnell sein …

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