Ballaballa

Golf ist ein Sport der schlechten Schläge, lese ich im Internet: Selbst der beste Golfer der Welt, und das finde ich ungemein beruhigend, treffe das Fairway vom Abschlag aus nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent. Das heißt im Umkehrschluss: Viele Golfbälle verschwinden auf der Runde auf Nimmerwiedersehen – im Rough, Wasserhindernis oder Weltall. Aber manchmal ist das auch gut so …

Ballaballa. Foto: Frank Schröpel.Die Amis haben es ausgerechnet: Jährlich gehen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten 300 Millionen Golfbälle verloren. Bei uns hat noch keiner mitgezählt. Fakt aber ist: Verlust gibt es immer. Unter uns gesagt: Bei manchen Bällen ist es auch schön, dass sie schlagartig das Weite suchen. Denn häufig werden statt des klassisch-weißen Golfballs exotische Rundlinge verschlagen.

Eleganz und Understatement ade: Ich rede jetzt nicht von bunten, goldenen, silber- oder tarnfarbenen Golfbällen und auch nicht von denen mit Logo-Aufdruck, die gerne als Werbemittel in Umlauf gebracht werden. Nein, schlimmer sind die oft sehr selbstbewusst platzierten Motiv- und Spruch-Bälle. Zum Teil mögen auch die geschenkt worden sein, nur dass man sie benutzt, ist das nicht ballaballa? Ich möchte mich jedenfalls nicht durch meine Bälle ins Gespräch bringen.

Dein Golfball zeigt, wer Du bist

Spaß hin oder her, alles ist erlaubt: Die Aufdrucke reichen von Pin-Up-Girls und Popos über Smileys in allen Variationen bis hin zu Totenköpfen mit Piratentuch und Augenklappe. Es gibt Golfgranaten mit Tier-, Weihnachts- oder Ostermotiven und welche, die aussehen wie Mini-Basket-, Rugby-, Billard- oder Tennisbälle. Auch Nationalstolz schwingt bisweilen mit – zum Beispiel bei Golfbällen mit aufgedruckter Deutschland-Fahne oder bayerischen Brezel-und-Maßbier-Motiven.

Noch krasser sind die Spruch-Golfbälle: „Küss mich, ich bin ein Birdie“, „No Sex more Golf“ oder „Echte Golfer weinen nicht“ muten noch harmlos an. Die „Golf ist Scheiße“- und „Flieg, Du kleine, weiße Sau“-Spielbälle meines Flightpartners haben mich allerdings nachhaltig verstört. Dagegen können die mit „Queen (oder king) of Golf“ und „Golf-Gott“-bedruckten Kugeln nur sympathische Selbstironie sein, oder?

Nicht unbedingt: So präsentierte kürzlich ein Bekannter stolz neue Golfgeschosse mit dem Aufdruck „Bester Golfer in Town“. Dass der „Meistergolfer“ dann gleich auf Bahn 1 zwei der teuren Sonderlinge verlor, erstaunte. Auf dieser Runde spielte ich meinen einfach weißen Golfball besonders gerne –  und mit einem Lächeln auf den Lippen!

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