Foto: Stefan von Stengel - Budersand: einer der wenigen Linksplätze Deutschlands

Golf ganz anders

Die Insel Sylt hat golferisch einiges zu bieten: Wenn ich nun schon mal da bin – warum nicht eine Runde auf dem viel gepriesenen Platz am südlichsten Ende der Insel: Budersand! Oder ist das vielleicht doch ein bisschen überdimensioniert für mich? Nicht wenige meinen ja, dass dies der beste Platz Deutschlands sein soll. Ist der für einen Golf-Normalo wie mich überhaupt spielbar? Ich probiere es aus.

Auf nach Budersand

Das nennt man Glück: Blauer Himmel und nur ein leichtes Lüftchen. Eine Wetterlage, die auf Sylt eher eine Rarität ist. Ich parke vor dem Budersand Hotel, einem 5-Sterne-Refugium, und gehe zum Golfclubhaus, das erhaben über dem Gelände thront. Es ist kurz nach 8:00 Uhr morgens und im Clubhaus ist es noch ruhig. Wer zwischen 8:00 Uhr und 9:00 oder ab 16:00 Uhr abschlägt, erhält einen Nachlass von 20,– Euro auf das reguläre Greenfee von 100,– Euro. Kein Pappenstiel, aber der erste Blick über das Gelände lässt die Vorfreude steigen. 

Meer, Wind, Golf

Da liegt er also: Ein True Links Course, eingerahmt vom Meer und dem ständigen Wind sowie salziger Luft ausgesetzt. Schroffe Geländeformen, tiefe Bunker, helles Grün der Spielbahnen und dunkle Roughbereiche im ständigen Wechsel. Nicht ein Baum weit und breit. Das Spektakel kann beginnen – und das direkt und unvermittelt auf der Bahn 1, denn hier gilt es, die Ausgrenze auf der linken Seite der Bahn aus dem Spiel zu lassen. Der Starter motiviert mich, aus den vier Abschlägen den zu meiner Spielstärke und Tagesform passenden auszuwählen. Ich nehme Gelb und gehe mit einem Eisen erstmal auf Nummer sicher. Das wird sich auch den ganzen Tag nicht ändern, wie ich später feststelle. Mit Eisen bin ich gut beraten. Lieber mal einen Schlag mehr pro Loch hinnehmen – dafür aber den Ball im Blick behalten und zum nächsten Abschlag retten! 

Bunker, harte Grüns …

An der Bahn 3 liege ich mit meinem Abschlag das erste Mal im Bunker und versuche den Ball hoch herauszuspielen. Das ist nicht ganz einfach. Aber dank der neuen Golfregeln kann ich den Ball außerhalb droppen! Die Bahnen sind jede für sich ein Genuss und der Platz ist sehr gut zu laufen. Auch die Wege zwischen den Löchern sind kurz. Lediglich der Weg von Grün 4 zu Tee 5 ist ein bisschen unübersichtlich. Auf der Bahn 6 gelingt mir dank eines ersten mutigen Hiebs mit dem Driver ein blitzsauberes Par. Interessanterweise werden die Grüns im Laufe der Runde immer härter. War es bei den ersten Löchern noch möglich, die Bälle auf dem Grün landen (und anhalten) zu lassen, ist man später gezwungen, Punkte vor dem Grün anzupeilen und den Ball dann auf dem Grün ausrollen zu lassen. Also, lieber flach als hoch spielen. Leichter gesagt als getan. Besonders trifft diese Erkenntnis auf das Loch 15 zu. Ein Par 3 mit 96 Metern. 96 Meter? Ein Ball, der erst auf dem Grün aufkommt, wird nie auf dem Grün liegen bleiben. Zum Haareraufen ist das. Aber gleichzeitig auch sehr schön!

… und Wasser!

Auf den letzten drei Bahnen entdecke ich Wasser: Ein kleiner Bachlauf schlängelt sich durch die Schlusslöcher, zwei aufeinanderfolgende Par 5 und das abschließende Par 4, das einen wieder zum Ausgangspunkt der Runde zurückführt. Dass mein Ball gleich die erste Möglichkeit des „Wässerns“ ergreift, versteht sich fast von selbst. Nach der Runde investiere ich die ersparten 20,– Euro in einen Burger und ein Bier, sitze zufrieden auf der Terrasse und genieße den einmaligen Ausblick. Mittlerweile hat der Wind aufgefrischt und ich fühle mich wie ein alter Seebär, der den Elementen trotzt. Fazit: Eine andere Welt des Golfens und wirklich etwas ganz Besonderes.     

Interview mit Rolf-Stephan Hansen, Golfplatzarchitekt:

Patrick Süskind hat einen einzigen Roman geschrieben, einen Welterfolg: „Das Parfüm“. Sie haben bisher einen einzigen Golfplatz gebaut, der ist eingeschlagen wie eine Bombe: Budersand. Sind Sie der Süskind der Golfplatzarchitektur?

Hansen: [lacht] Ich hatte schon immer ein Faible für Links-Golf. Schon bevor ich nach meinem Studium der Landschaftsarchitektur noch Golfplatzarchitektur in Großbritannien studiert hatte. Links-Golf scheint mir einfach zu liegen. Mein großes Glück war aber, dass man mir das Vertrauen für dieses Projekt schenkte. Ich hatte das Kasernengelände schon immer im Blick als fantastischen Standort für einen Golfplatz und habe hier einen der wenigen richtigen Linksplätze, die wir in Deutschland haben, realisiert. Dass ich mich nicht ausschließlich auf Golfplatzprojekte stürze, hat im Übrigen einen einfachen Grund. Ich habe hier auf der Insel meine Familie und meinen Betrieb für Garten- und Landschaftsarchitektur und Bau. Sylt ist meine Heimat, hier möchte ich nicht weg.

Erklären Sie den Begriff „Linksplatz“ doch bitte einmal dem Laien.

Links-Golf hat etwas mit dem Standort zu tun. Links beschreibt eine Landschaftsform in Großbritannien und leitet sich vom Begriff „links“, also „die Verbindung“, ab. Gemeint ist hier die Verbindung vom Meer zum Hinterland. Linksland war für Landwirtschaft nicht nutzbar und diente nur der Schafhaltung. Die Flächen wurden von den Schafen kurz gehalten und so entstanden dort Golfplätze.

Die Vornutzer des Geländes in Budersand waren ja nicht Schafe, sondern die Bundeswehr mit einer großen Kaserne. Das hört sich sehr ungewöhnlich an ...

Das war es auch! Wir hatten es mit vielen Gebäuden und versiegelten Flächen zu tun, die beseitigt werden mussten, und zahlreiche offene Flächen standen unter Naturschutz. Ehrlich gesagt gab es wahrscheinlich kein schwierigeres Gelände, um einen Platz bauen zu wollen, der so aussieht, als ob er schon ewig hier sei. In dieser problematischen Grundsituation einen sinnvollen Bahnenverlauf in das Gelände einzupassen, war tatsächlich die größte Herausforderung.

Bestehen bei einem Links-Course Besonderheiten in puncto Platzpflege?

Auf jeden Fall. Das hervorstechendste Merkmal ist sicherlich das Wassermanagement. Wir haben hier auf reinem Sand mit nur einem minimalen Humusanteil gebaut und eingesät. Die Graspflanzen sind dann gesund und bilden ein tiefes Wurzelwachstum aus, wenn wir sie am Minimum halten – das heißt gerade so viel Wasser wie nötig und so wenig Dünger wie möglich. Die Fairways düngen wir beispielsweise gar nicht mehr. 

Zum Abschluss noch eine ernste Frage: Haben Sie die Driving Range in Budersand  vergessen?

[lacht] Nein, es war schlichtweg kein Platz dafür vorhanden. Übrigens haben Links-Courses in Großbritannien oft auch keine Range. Wenn ich dort spiele, gehe ich immer direkt zum 1. Abschlag.