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Sport mit Links bringt's

Dass sportliche Aktivitäten wie das Golfen auch als Linkshänder erfolgreich ausgeübt werden können, zeigt sich dieses Jahr in Willingen: Durch die 26. Linkshand-Golfweltmeisterschaft kommen Lefties aus allen Ländern im Mai hierzulande miteinander in Kontakt. Warum das Spiel mit der „bösen Hand“ nicht nur im Golf Vorteile hat, weiß die Vereinigung clubfreier Golfspieler e.V. (VcG).

Vom Dosenöffner über das Portemonee bis hin zu technischen Geräten – unsere Welt ist auf Rechtshänder ausgerichtet. Die schätzungsweise mindestens 15 Prozent Linkshänder bundesweit haben es im Alltag nicht immer leicht. Umso mehr punkten sie im Sport, auch wenn sie vielen noch als Exoten gelten, wie Josef Langenberger bestätigt: „Ich höre immer wieder mal am Tee 1: Der schlägt ja verkehrt ab“, so der 1. Vorsitzender des Nationalen Verbandes linkshändiger Golfer (N.A.L.G.) Germany e.V.. Dass die 26. Linkshand-Golfmeisterschaft in Deutschland ausgetragen wird, begrüßt er: „Die Veranstaltung findet vom 20. bis 24. Mai diesen Jahres in Willingen statt. Sie könnte dem Linkshandgolf hierzulande neue Impulse geben und mehr ins Bewusstsein rücken.“

Akzeptanz für das Linkshandgolf

„Generell sind wir Linkshänder-Golfer eine Minderheit“, weiß Josef Langenberger. „Dies zeigt sich nicht nur am geringen Angebot an Pros, sondern auch beim Golfequipment, bei den Trainingsmöglichkeiten und Turnieren für Linkshänder.“ Er möchte die Interessen und die Gemeinschaft der Linkshand-Golfer fördern. Die N.A.L.G. mit Sitz in Hebertshausen nimmt für einen Jahresbeitrag von 25 Euro Linkshänder-Golfer auf, der Verband ist heute über 100 Mitglieder stark. „Von der Golfindustrie und den Golfclubs werden wir Linkshänder-Golfer leider noch nicht so ernst genommen wie die Rechtshänder“, bedauert Langenberger. „Positiv ist, dass durch nationale und internationale Linkshand-Golfmeisterschaften Lefties aus allen Ländern miteinander in Kontakt kommen und dass dies die öffentliche Aufmerksamkeit auf uns lenkt. Für die 26. Weltmeisterschaft haben sich bereits 210 Linkshandgolfer aus 15 Nationen angemeldet. Bis Mitte März ist die Registrierung noch möglich! Interessenten können sich am besten direkt per Mail mit mir in Verbindung setzen: josef.langenberger@t-online.de.“

Mit Links durchs Leben

VcG-Geschäftsführer und Linkshänder Marco Paeke weiß aus eigener Erfahrung, dass Linkshandgolfer es nicht immer leicht haben. Er kennt die Sticheleien der Flightpartner: „Vor allem an den Abschlägen sorgt ein Linkshänder für kollektives Aufstöhnen, da er sich ja spiegelverkehrt zu seinen Partnern aufstellt, die zuschauenden Mitspieler also immer die Seite wechseln müssen.“ Für den Spieler hat es dagegen durchaus Vorteile, linkshändig zu sein, wie Top-Golfer Bubba Watson und einige mehr beweisen. „Es ist in der Tat besser, auf der falschen Seite zum Ball zu stehen und richtig zu schwingen, als umgekehrt, wie es der Sportjournalist und Golfer Harry Valérien einst sagte“,  so Marco Paeke: „Als Linkshänder ist man beim Golfen im Vorteil, denn Golfplätze sind in der Regel für Rechtshänder entworfen, das heißt, dass Wasserhindernisse und Bunker überwiegend rechtsseitig angelegt sind. In puncto Training haben wir Linkshänder dagegen eher einen Nachteil: Bei den Pros überwiegen die Rechtshänder. Der ehemalige Bundestrainer der deutschen Herren-Golfer und heutige Co-Trainer, Uli Zilg, ist einer der wenigen Linkshänder!“

Kein Makel mehr

Linkshändigkeit ist heute kein Makel mehr. Eine zunehmende Akzeptanz der Andershändigkeit ist bereits spürbar. Noch in den 1980er-Jahren galt die linke Hand allerdings als „böse“. Linkshändige Kinder wurden mühsam auf rechts umtrainiert. Heute weiß man: „Wer nicht seine von der Natur bevorzugte Hand benutzen darf, kann Probleme mit dem Selbstwertgefühl bekommen sowie Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen, Lese- und Rechtschreibprobleme entwickeln“, so die Psychotherapeutin Dr. Johanna Barbara Sattler. „Menschen werden jetzt deshalb in ihren Fähigkeiten, auch der Linkshändigkeit, und in ihrer Haltung zu sich selbst unterstützt. Ein Linkshänder sollte auf keinen Fall umgeschult werden, auch nicht beim Sport. Wichtig ist, selbstbewusst zur Linkshändigkeit zu stehen.“

Links punktet im Duell

Tatsächlich sind Linkshänder in interaktiven Sportarten wie Tennis, Tischtennis, Badminton, Boxen, Fechten, Handball oder Fußball überdurchschnittlich erfolgreich. 20 bis 55 Prozent der Topathleten, überwiegend in Zweikampf-Sportarten, machen alles mit Links. Die Gründe für ihren sportlichen Erfolg liegen auf der Hand: Ihre rechtshändigen Gegner sind auf linkshändige Kontrahenten schlechter vorbereitet und können ihre Schuss- oder Schlagrichtung nicht so gut einschätzen. Ihre Bewegungen sind für sie ungewohnt, kaum vorhersehbar und dadurch verwirrend. Linkshänder gelten deshalb oft als Angstgegner. „Der Überraschungseffekt, dass der Gegner mit der ungewohnten linken Hand spielt, ist entscheidend und zum Beispiel beim Boxen von Vorteil“, weiß Dr. Sattler. „Zudem können Linkshänder Abläufe oftmals besser einschätzen, da sie aufgrund ihrer dominanten rechten Gehirnhälfte oft eine bessere Raumverarbeitung zeigen. In Mannschaftssportarten wie zum Beispiel im Handball sind Linkshänder gesucht, da sie im Spiel Funktionen ausüben können, die Rechtshänder nicht so gut abdecken können.“ „Der psychologische Aspekt ist beim Golfen natürlich weniger relevant als zum Beispiel beim Tennis. Man hat ja keinen direkten Gegenspieler“, ergänzt Marco Paeke. „Dass das Spiel aber dennoch nicht weniger spannend ist, wird sicher auch die Linkshand-Golfweltmeisterschaft zeigen!“

 

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