Foto: VcG - Mann mit einer Mission: Frank Adamowicz

Der Aufklärer

„Glaube an dich selbst und geh deinen Weg“ – mit diesem Leitspruch hat es Frank Adamowicz in seinem Leben vom Arbeiterkind bis zu Deutschlands erfolgreichstem Mannschaftstrainer gebracht. Der bekannte Golflehrer, Ex-Nationaltrainer des Deutschen Golf Verbandes (DGV), TV-Kommentator, Buchautor, DVD-Produzent, Referent und Ausbilder brennt seit 50 Jahren für den Golfsport und hat eine bewegende Mission …

„Ich helfe Menschen, egal welches Handicap sie haben!“

Herr Adamowicz, Sie wollten doch Fußballer werden, wieso ist es dann doch der Golfsport geworden?

Frank Adamowicz: Es war viel Glück im Spiel. Wissen Sie, ich komme aus einfachen Verhältnissen. Der Vater Lokführer, die Mutter Kassiererin, Golf war für uns eine andere Welt. Als ich elf Jahre alt war, nahmen mich Freunde mit zum Golfplatz. Schulkinder konnten sich dort damals als Caddy ein paar Mark verdienen. Das probierte ich aus und fand es toll, auch wegen des Trinkgeldes. 

Der Golfvirus hatte Sie also gepackt?

FA: Nicht sofort, aber nach einer Weile war ich plötzlich jeden Tag im Golfclub, der war nur wenige Minuten mit dem Rad von zu Hause entfernt. Hier habe ich durchs Zugucken viel gelernt, mit Leihschlägern Bälle geschlagen und gemerkt, dass ich als Caddy den Golfern hilfreiche Tipps geben konnte. Ich hatte ein Gefühl dafür, wie man Leute abholt und mit ihnen kommuniziert, auch mit hohen Tieren. Die Gabe habe ich von meiner Mutter: Nicht rumdrucksen, immer gerade heraus. Ich kleiner Arbeiterjunge wurde ernst genommen. Das war toll. Bald war klar: Ich werde Golflehrer. 

Und wie haben das Ihre Eltern aufgenommen?

FA: Die reagierten verhalten. Der Spielführer aus dem Club hat dann für mich ein gutes Wort eingelegt. Sie haben mich meinen Weg gehen lassen. Fünf Jahre war ich Caddy in Hittfeld, es folgte eine dreijährige Ausbildung zum Golflehrer. Mein Ausbilder war ein Geschenk des Himmels. Er hat mir diese „Golfbeklopptheit“ mitgegeben und beigebracht, anfangs wenig zu sagen und in Ruhe zu gucken, was der Schüler überhaupt vermag, welche physischen Möglichkeiten er hat, welche Zielsetzung realistisch ist, und ihm dies dann zu vermitteln. Für diesen analytischen Verstand und den Mut zur Reduktion bin ich ihm bis heute dankbar!

Sie sind dann aber nicht in Hittfeld geblieben …

FA: Richtig, mit 19 Jahren bin ich zur zweijährigen Golflehrerassistenz nach Gütersloh gegangen. Eine gute Entscheidung. Dort habe ich viel unterrichtet, wie ein Wahnsinniger trainiert und gespielt. Und ich hatte einen sehr beeindruckenden Kollegen, einen Vorzeigegolflehrer, adrett, pünktlich und höflich, von dem ich mir viel abgeguckt habe. 

Sie waren fünf Jahre lang Playing Pro, haben in der Golf-Nationalmannschaft gespielt, unter anderem auf der Challenge Tour gepunktet, aber doch nicht als Golf-Profi Karriere gemacht. Warum? 

FA: Talent hatte ich zwar viel, aber mein Temperament stand mir im Weg. Als Trainer bin ich geduldiger als ein Esel, aber über mich selbst kann ich mich auf dem Platz maßlos ärgern. Es hatte mit dem Hitzkopf einfach keinen Sinn. Die guten Golfer sind alle sehr, sehr ruhig. Als sich 1990 die Chance ergab, Nationaltrainer des DGV zu werden, habe ich sie ergriffen und das nie bereut. Zudem habe ich als Fernsehkommentator gearbeitet, letzteres übrigens über zwanzig Jahre.

Als Trainer gewannen Sie mit dem Frankfurter GC zwei deutsche Meisterschaften, holten dann mit St. Leon-Rot sieben weitere Meisterschaftstitel und wurden Deutschlands erfolgreichster Mannschaftstrainer. Was schätzen Sie am Teamtraining?

FA: Ich mag es streng zu führen, meinem Herzen und meiner Intuition zu folgen. In einer Mannschaft muss jeder für sich allein funktionieren und zufrieden sein, trotzdem müssen die Spieler auch Teamplayer sein. Mir macht es Spaß, die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen und der Mannschaft zu optimieren, 15 Leute und mehr unter einen Hut zu bringen, ein Team zu formen, den Weg vorzugeben – und Erfolg zu haben. 

Sie beschäftigen sich seit Jahren mit dem Golfsport, begleiteten unter anderem Tourspieler wie Florian Fritsch und Tobias Dier. Welche Haupteigenschaft zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Golfer aus?

FA:  Ein guter Golfer kennt seine Schwächen und nutzt sie für sich und, ganz wichtig, er hat als Verlierer die Größe, die Leistung des anderen anzuerkennen. Er schüttelt dem Sieger auf dem Grün die Hand, ohne seinen Ärger zu zeigen. Das finde ich enorm wichtig!

Nach ein paar Tagen ohne Golf werden Sie unruhig. Man sagt, Sie hätten früher sogar im Ski-Urlaub die Golfschläger dabei gehabt, falls es taut. Was macht für Sie die Faszination dieses Sportes aus? 

FA: Die Hauptfaszination ist, dass dieser Sport nie gleich ist. Ich golfe seit Jahrzehnten, am liebsten mit anderen zusammen, und erlebe das je nach Platz, Wetterlage und eigener Verfassung immer wieder neu. Und dass Menschen verschiedener Spielstärken und Altersklassen miteinander spielen können, ist ein Riesending. Das gibt es so in keiner anderen Sportart!

Ihre  Golfleidenschaft leben Sie auch als Autor. Worum geht es in Ihrem neuesten Buch „Golf 4.0“?  

FA: Ich möchte aufklären und Menschen glücklich machen, das ist meine Mission. In meinen Golfstunden begegnen mir so viele Fehlvorstellungen. Die räume ich mit dem Buch aus dem Weg. Dabei geht es um Mythen, Erfolgsfaktoren, die häufigsten Fragen im Golfsport, aber auch um strategische und mentale Aspekte, viel Basiswissen, das nicht nur für Golfanfänger interessant ist. Jedes Kapitel ist um Videos ergänzt, die via QR-Code abrufbar sind. Das hat für den Leser einen großen Zusatznutzen. 

… und ist sehr zeitgemäß. E-Learning gilt als großer Trend. Sind konventionelle Lehrbücher und -methoden überholt? 

FA: Nein, Online-Tutorials und technische High-End-Lösungen wie Trackman können das reale Training nicht ersetzen, nur ergänzen. Dazu spielt das Zwischenmenschliche eine zu große Rolle. Sie brauchen einen Golflehrer, der Ihre Stärken erkennt und mit Ihnen einen Weg findet, mit verschiedenen Situationen entsprechend Ihrer körperlichen Möglichkeiten umzugehen. Der Schüler muss zudem das für ihn passende Material haben und mental bereit sein. Ich bin Golflehrer mit Leib und Seele: Mit Menschen zu arbeiten, wird nie langweilig. 

Können auch Anfänger Ihre Stunden für 85 Euro buchen?

FA: Natürlich, ich unterrichte jeden. Das Handicap interessiert mich nicht. Ich möchte für jeden das finden, was ihm hilft, ihn da abholen, wo er steht, und für Konstanz und Wiederholbarkeit in seinem Spiel sorgen. Es gibt keine einheitliche Methode. Das spornt mich immer wieder neu an. In all den Jahren konnte ich nur einem einzigen Schüler nicht helfen. 

Sie arbeiten seit den 1970er Jahren als Golflehrer. Was hat sich verändert, abgesehen von den Mitgliedschaftsmodellen und Innovationen wie Trackman?

FA:  In puncto Golfunterricht sind die goldenen Jahre vorbei. Golfstunden sind vielen heute zu teuer und zu zeitaufwändig. Alles muss schnell gehen. Die Leute machen die PE, gucken youtube und denken, sie können alles. Früher hatten die Schüler keine Ahnung, wenn sie heute kommen, dann mit konkreten Fragen. Man muss sich als Golflehrer mehr spezialisieren. Und es wird Stundentourismus betrieben. Früher nahm man in seinem Heimatclub Golfunterricht, nicht woanders. Alle kannten sich im Club, heute ist Golf anonymer und schnelllebiger. 

Wie könnte man mehr Menschen für das Golfen begeistern?

FA: Golf müsste im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsent sein und durch öffentliche Driving Ranges und modernere Spielformate spicy, also aufregender und flexibler zugänglich sein. Die Clubs müssten sich mehr öffnen:  Lasst die Leute doch ohne PE und viele Regeln, meinetwegen auch in Jeans, einfach mal spielen!

Sie werden im Mai 63 Jahre alt. Welche Wünsche haben Sie für die nächsten Jahre? 

FA: Golf ist mein Leben. So lange die Leute mich ertragen, werde ich Unterricht geben. Ich möchte Vorträge und Coachings halten, draußen und aktiv sein, vielleicht noch ein Buch schreiben. Ach ja: Und eine Runde mit Tiger Woods, Bernhard Langer und Gary Player in Pebble Beach, das wäre ein Traum!

Wenn Sie die Uhr nochmal zurückdrehen könnten: Was war Ihre schönste Zeit? 

FA: Die Kindheit auf dem Golfplatz war großartig und wirkt bis heute nach. Ich habe Glück gehabt, die richtigen Menschen zu treffen und das tun zu können, was mich erfüllt: Jeder Schritt war gut!

Vielen Dank für das Gespräch!