Foto: G&CC Seddiner See.

GC&C Seddiner See

Abschlag & Vielfalt. Bei „Michendorf“ denkt der Berliner zuerst an „Rasthof“, „Dreieck Nuthetal“ und „Verkehrsnachrichten“. Aber wer die A10 an der Abfahrt Michendorf verlässt, befindet sich im Handumdrehen im Ortsteil Wildenbruch und dort liegt das 185 Hektar große Golf- und Naturparadies des Golf- und Country Clubs Seddiner See – mit 36 Golflöchern, die die zuvor genannten Assoziationen sofort vergessen lassen …

Ausflug ins Grüne

Sonntagmorgen. Raus aus der Stadt. Meine Fahrt vom Dreieck Funkturm endet nach 24 Minuten auf dem großen Clubparkplatz des Golf- und Country Clubs Seddiner See. Um 9 Uhr ist hier schon mächtig Betrieb. Bei zwei 18-Löcher-Plätzen aber eigentlich auch kein Wunder. Mir fallen die Ladestationen für Elektroautos ins Auge, an denen bereits zwei Modelle mit Berliner Kennzeichen ihre Ration für die Heimfahrt tanken. Vorbildlich! Im Foyer des strahlendweißen Clubhauses fühle ich mich kurz an die mondänen Domizile exklusiver Countryclubs in Florida erinnert: Aufwändige Teppiche, helle Farbtöne, schwere Ledersessel und viel Glas, das den Blick auf die topgepflegte Anlage freigibt. Eine echte Überraschung hält das sehr freundliche Clubsekretariat für mich als VcG-Mitglied bereit: Da die Clubfreien in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern, gewährt der Club VcG-Mitgliedern ganzjährig 25 plus 25 Prozent Rabatt auf die Greenfees, also Spielen zum halben Preis als Geburtstagsgeschenk! Statt 85,– Euro zahle ich nur 42,50 Euro Greenfee für den Nordplatz. Wow!

Tadellos: der Nordplatz

Wenn ich einen Platz zum ersten Mal spiele, hoffe ich stets, ein lokales Mitglied im Flight zu haben, das sich auskennt. Ein alter Hase ist immer mehr wert als das beste Birdiebuch! Dieses Glück wird mir mit Helmut und Conny, beides langjährige Clubmitglieder, zuteil. Das Paar ist von einer solchen Herzlichkeit, dass ich mich sofort wohlfühle. Beide lieben ihren Club, die zwei Plätze, das Golfen, die vielen Tiere auf dem Platz und sich sowieso. Gemeinsam ziehen wir unsere Bahnen und produzieren nach einem eher holprigen Start im weiteren Verlauf den einen oder anderen schönen Schlag. Helmut und Conny haben an jeder Bahn die richtige Strategie parat. Ohne sie würde ich mit Sicherheit des Öfteren vollkommen falsche Punkte anvisiert. Selbst im Auffinden von abgedrifteten Bällen sind die beiden unschlagbar. Der Nordplatz (Baujahr 1996, Architekt: Rainer Preißmann) ist mit 5.978 Metern von Gelb und 5.353 Metern von Rot (jeweils Par 72) ein durchschnittlich langer Golfplatz im tadellosen Zustand. Was besonders auf den ersten neun Löchern auffällt: Die Bahnen verlaufen herrlich für sich allein. Es gibt keine Nachbarbahnen und Engstellen, an denen sich die Spieler begegnen oder sich ihre Bälle gefährlich nahekommen würden. Das Gelände ist mit 185 Hektar so groß, dass es viele freie Randbereiche gibt, die den Golfer und die Natur durchatmen lassen.

Golf und Natur

Dass Helmut nach seinen vielen Runden hier selbst den Ruf der Feldlerche kennt, wundert mich nach einiger Zeit nicht mehr wirklich. Später erfahre ich aus einer aktuellen Studie zur Biodiversität, dass auf der Golfanlage mittlerweile 172 Pflanzenarten, davon 14 sogar auf der Roten Liste, und 152 Tierarten, davon 42 auf der Roten Liste, nachgewiesen wurden. Das umfangreiche Gutachten kartiert zudem genau die Lage und die Anzahl der Vogelbrutstellen. 450 davon liegen auf dem Platz, 130 in den Randbereichen. Der Umwelt- und Naturschutz liegt dem Golf- und Country Club Seddiner See offensichtlich am Herzen. Bereits 2009 wurde die Anlage mit der Auszeichnung in Gold des Projekts „Golf & Natur“ des Deutschen Golf Verbandes prämiert. Wenn man ein Luftbild des Geländes vor dem Bau der Golfanlage betrachtet, erahnt selbst der Laie, wie es zuvor um die Natur auf dem ehemals topfebenen, zur Produktion von Gerste und Futtermais genutzten Gelände bestellt gewesen sein muss: Artenvielfalt nahezu null.

Die Perle: der Südplatz

Aber zurück zum Golf. Nach vier Stunden und zehn Minuten haben wir unsere Runde beendet. Obwohl vor uns und hinter uns jede Startzeit belegt war, verlief die Runde angenehm flüssig. Kein Warten, kein Drängeln von hinten. Ob das auch an den Marschalls liegt, die immer wieder einmal freundlich grüßend an uns vorbeisausen? Nach der Runde bleibt noch Zeit, einen kurzen Blick auf den Südplatz (Baujahr 1997, Architekt Robert Trent Jones jr.) zu werfen. Ein hochdekorierter und hochgelobter Golfplatz, den verschiedene Rankings stets in der Top 10 Deutschlands führen. Der Platz ist eher etwas für erfahrenere Golfer (Mindesthandicap 28 für Damen und Herren). Die großen gewellten Grüns und die riesigen Bunker (dreieinhalb Mal soviel Sandfläche wie der Nordplatz!) mit ihren geschwungenen, hochgezogenen Kanten sind optisch ein Genuss, spielerisch aber mehr als herausfordernd. Besonders in Erinnerung bleibt das riesige Doppelgrün der 9 und 18, das man gerade in unseren Gefilden nur selten antrifft (Doppelgrün = ein Grün, auf dem zwei Löcher sitzen).

Anlage mit Qualitätssiegel

Nach der Runde sehe ich mich im Clubhaus um. Alles ist hier in einem auffallend guten Zustand. Warum, wird mir klar, als ich mit dem Clubmanager Horst Schubert spreche und erfahre, dass der Golf- und Country Club Seddiner See seit acht Jahren Mitglied im Qualitätsverbund „Leading Golf Clubs of Germany“ ist, zu dem 33 Clubs gehören. Zwei davon mit je zwei Plätzen (GCC Seddiner See und GC St. Leon-Rot). Um die Qualität der teilnehmenden Anlagen stets im Blick zu haben und zu dokumentieren, wird jeder Club im Schnitt einmal monatlich von einem „Secret Shopper“ besucht, der danach einen 170 (!) Punkte umfassenden Fragebogen über alle möglichen Details des Clubs ausfüllt. Die Rückmeldungen der Inkognito-Tester helfen den Clubs, Schwachstellen zu erkennen. Eine Betriebsblindheit kann so gar nicht erst entstehen, erklärt mir Horst Schubert. Mein Fazit ist klar: Golf auf sehr hohem Niveau mit einer tollen VcG-Freundlichkeit und viel Natur. Ich komme wieder!

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